Menschen dargestellt, auch von ihr hatte die Zeit ihrenTribut gefordert. Dorothea war gealtert, ihre kühl undstreng gepflegte, berühmte, bejubelte Vollkommenheit warwährend der letzten Jahre so schnell und unaufhaltsamverwelkt, daß die Frau in ihrem Innern nicht Schrittmit dieser Wandlung zu halten vermochte. Nichts, keineKunst, kein Mittel, auch die lästigen und widerlichennicht, mit denen sie den Verfall bekämpft, hatte zu hin-dern vermocht, daß der süße Glanz ihrer tiefblauen Augenerlosch, daß Ringe von schlaffer, gelblicher Haut sich dar-unter bildeten, daß die wundervollen kleinen Gruben inihren Wangen sich zu Furchen höhlten und ihr stolzerund herber Mund nun so scharf und mager erschien. Daaber ihr Herz streng gewesen war, wie ihre Schönheit,und auf nichts als diese Schönheit bedacht, da ihre Schön-heit ihre Seele gewesen war und sie nichts gewollt undgeliebt hatte, als die erhebende Wirkung dieser Schönheit,während ihr eigenes Herz nicht hochschlug, keineswegs,für nichts und für niemanden, so war sie nun ratlos undsehr verarmt, konnte innerlich den Übergang zu dem neuenZustand nicht finden und nahm Schaden an ihrem Ge-müts. Generalarzt Eschrich äußerte noch etwas von see-lischer Erschütterung infolge eines ungewöhnlich raschenRückbildungsprozesses und hatte zweifellos auf seine Artrecht mit dieser Deutung. Die traurige Tatsache warjedenfalls, daß Dorothea schon während der letzten Lebens-jahre ihres Gemahles Merkmale tiefer geistiger Trübungund Verstörung gezeigt hatte. Sie ward helligkeitsscheu,ordnete an, daß bei den Donnerstag-Konzerten im Mar-morsaal alle Lichter rot umkleidet wurden, und bekam
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