Zufälle, als sie nicht durchzusetzen vermochte, daß dieseMaßregel auch auf alle übrigen Festlichkeiten, den Hof-ball, den intimen Ball, das Diner, die große Cour aus-gedehnt werde, da die Sonnenuntergangsstimmung imMarmorsaal ohnedies viel Anlaß zum Gespött gegebenhatte. Sie verbrachte ganze Tage vor ihren Spiegeln,und man beobachtete, wie sie diejenigen mit den Händenliebkoste, die aus irgendeinem Grunde ihre Erscheinungin günstigerem Lichte widergaben. Dann wieder ließ siealle Spiegel aus ihren Zimmern entfernen, ja, die in dieWände eingelassenen verkleiden, legte sich ins Bett undrief nach dem Tode. Eines Tages fand Freifrau vonSchulenburg sie völlig zerstört und entzündet vom Weinenim Saal der zwölf Monate vor dem großen Porträt, dassie auf der Höhe ihrer Schönheit darstellte. . . Gleich-zeitig begann eine krankhafte Menschenfurcht ihrer Herrzu werden, und für Hof lind Volk war es eine Pein,zu bemerken, wie die Haltung dieser ehemaligen Göttinan Sicherheit verlor, ihr Auftreten seltsam linkisch wurdeund ein elender Ausdruck ihren Blick besing. Schließlichverbarg sie sich ganz, lind bei dem letzten Hofball, demer angewohnt, hatte Johann Albrecht statt seiner „un-päßlichen" Gemahlin seine Schwester Katharina geführt.Sein Tod war insofern eine Erlösung für Dorothea, alser sie aller Repräsentationspflichten enthob. Sie wählteals Witwensitz Schloß Segenhaus, ein klösterlich an-mutendes altes Jagdschloß, das, anderthalb StundenWagenfahrt von der Residenz entfernt, inmitten seinesernsten Parkes lag und von einem frommen Jagdherrnmit religiösen und weidmännischen Emblemen in seltsamem
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