Kopf, ihren förmlichen Trinksitzungen bei. Aber da die-jenigen, die über ihn wachten, wohl wußten, daß der ab-gespannte und blödselige Zustand, den der Genuß geistigerGetränke zur Folge hat, sich ganz und garnicht mit seinemhohen Beruf vertrug, so durfte er auch nicht ernstlichtrinken, und man war gehalten, auch in dieser Hinsichtseiner Hoheit Rechnung zu tragen. Die rauhen Bräuchewurden auf ein sinniges Ungefähr beschränkt, der Ver-kehrston war vortrefflich wie einst in der obersten Gym-nasialklasse, alte Lieder von frischer Poesie erklangen, undes waren im ganzen Gala- und Paradesitzungen, verklärteAbbilder ihrer Alltäglichkeit. Das „Du" war Verein-barung zwischen Klaus Heinrich und den Korpsbrüdern,als Ausdruck und Grundlage zwangloser Gemeinschaft.Aber die allgemeine Beobachtung war, daß es grundfalschund gewaltsam klang, wie man es auch damit versuchte,und daß man jeden Augenblick, ohne es zu wollen, in dieAnrede zurücksiel, in welcher seiner Hoheit Erwähnunggeschah.
Dies war die Wirkung seines Wesens, dieser freund-lich und streng gefaßten, von keiner sachlichen Beteiligungjemals aufgelösten Haltung, die übrigens in dem Be-nehmen der Personen, mit denen der Prinz in Berührungkam, zuweilen ganz seltsame, ja komische Phänomene zei-tigte. So zog er eines Abends, in einer Soiree, die einerseiner Professoren veranstaltete, einen Herrn ins Gespräch,— einen korpulenten Mann schon vorgerückten Alters,Justizrat seinem Titel nach, der übrigens unbeschadetseiner gesellschaftlichen Geltung im Gerüche eines großenLüderjahns und rinzüchtigen alten Sünders stand. Das