Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
68
Einzelbild herunterladen
 

schnüre ihnen von den Schultern baumelten, und gabenleere, geziemende Antworten, an denen die AnredeGroßherzogliche Hoheit" das Gewichtigste war und zudenen sie lächelten, mit einem mitleidig behutsamen Aus-druck, als wollten sie sagen:Du Reiner, du Feiner!"...Zuweilen, wenn es sich möglich machte, unternahm KlausHeinrich Forschungszüge in unbewohnte Gegenden desSchlosses, mit Ditlind, seiner Schwester, als sie groß ge-nug war.

Damals hatte ec Unterricht bei Schulrat Dröge,Rektor der städtischen Schulen, der zu seinem ersten Lehrerbestellt war. Schulrat Dröge war sachlich von Natur.Sein Zeigefinger, faltig von trockener Haut und ge-schmückt mit einem goldenen Siegelring ohne Stein, ver-folgte die gedruckten Zeilen, wenn Klaus Heinrich las,und rückte nicht eher von der Stelle, als bis das Wortgelesen war. Er kam in Gehrock und weißer Weste, dasBand eines untergeordneten Ordens im Knopfloch, undin breiten, blankgewichsten Stiefeln, deren Schäfte natur-farben waren. Er trug einen ergrauten, kegelförmigenBart, und aus seinen großen und flachen Ohren wuchsgraues Gestrüpp. Sein braunes Haar war in Form vonaufwärtsstrebenden Spitzen in die Schläfen gebürstet undscharf gescheitelt, so daß man deutlich die gelbliche, trockeneKopfhaut sah, die porös war wie Stramin. Aber hintenund an den Seiten kam unter dem festen, braunen Haardünnes, graues hervor. Er neigte den Kopf ein weniggegen den Lakaien, der ihm die Tür zu dem großen, ge-täfelten Schulzimmer öffnete, wo Klaus Heinrich ihnerwartete. Jedoch gegen Klaus Heinrich verbeugte er sich,

68