Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

die rührende und erhebende Wirkung in Worte, die seineErscheinung ausgeübt hatte. Dann hörte die Öffentlich-keit längere Zeit wenig von ihm und er nichts von ihr.

Er wußte noch nichts, begriff noch nichts, nichts ahnteihm von der Schwierigkeit, Gefährlichkeit und Strengedes Lebens, das ihm vorgeschrieben war; seine Lebens-äußerungen ließen nicht die Vermutung zu, daß er sichin irgendeinem Gegensatz zur großen Menge fühle. Seinkleines Dasein war ein verantwortungsloser, von außensorgfältig geleiteter Traum, der sich auf einem schwerübersichtlichen Schauplatze abspielte; und dieser Schau-platz war von übermls zahlreichen und farbigen Erschei-nungen, fintierenden und agierenden, bevölkert, flüchtigaustauchenden und solchen, die beharrten.

Unter den beharrenden waren die Eltern fern, recht fernund nicht vollkommen deutlich. Sie waren seine Eltern,das war gewiß, und sie waren erhaben und freundlich.Nahteil sie sich, so war der Eindruck dieser, als ob allesÜbrige nach beiden Seiten zurückwiche und eine Gasseder Ehrfurcht bildete, durch die sie zu ihm schritten, umihm einen Augenblick Zärtlichkeit zu erweisen . . . Amnächste» und deutlichsten waren zwei Frauen mit weißenHallbeil und Schürzen, zwei vollkommen gute, reine undliebevolle Wesen augenscheinlich, die seinen kleinen Leibauf jede Art pflegten und sich sehr lim sein Weinen küm-merteil . . . Ein naher Teilnehmer am Leben war auchAlbrecht, sein Bruder; aber er war ernst, ablehnend undweit vorgeschritten.

Als Klaus Heinrich zwei Jahre alt war, fand noch-mals Geburt auf Grimmburg statt, und eine Prinzessin

6 ;