Druckschrift 
Königliche Hoheit : Roman
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

Schulenburg überreichte ihn mit Verneigung seiner TanreKatharina, die mit strengem Gesichtsausdruck ein neuer-lich umgearbeitetes lila gefärbtes Seidenkleid trug lindmit Kronjuwelen frisiert war. Sie legte ihn, als derAllgenblick kam, feierlich in die Arme Dorotheas, seinerMutter, die ihn, hoch und schön, mit einem Lächeln ihresstolzen und lieblichen Mundes, eine gemessene Weile denSegnungen darbot und ihn dann weitergab. Ein paarMinuten lang hielt ihn eine Cousine, ein elf- oder zwölf-jähriges Kiild mit blonder Lockenfrisur, stockdünnen Bein-chen, blosien, fröstelnden Ärmchen lind einer breiten rot-feidencn Schärpe, die hinten in kolossaler Schleife vonihrem weißen Kleidchen abstand. Ihr spitzes Gesichtchenwar ängstlich dem Zeremonienmeister zugewandt . . .

Vorübergehend erwachte der Prinz; aber die flimmern-den Flämmchen der Altarkerzen und eine farbige Säuledurchfonilteil Staubes blendeten ihn, so daß er die Augenwieder schloß. Und da keine Gedanken, sondern nur sanfte,gegenstandslose Träume in seinem Kopfe waren, da erauch im Augenblick keinerlei Schmerz empfand, so schliefer sofort wieder ein.

Er erhielt eine Menge Namen, während er schlief; aberdie Hauptnamen waren: Klaus Heinrich.

Und er schlief, in seinem Bettchen mit Goldleisten undblauseidener Gardine, noch fort, während ihm zu Ehrenim Marmorsaale Familientafel und im Rittersaale Tafelfür die übrigen Taufgäste stattfand.

Die Zeitungen besprachen sein erstes Auftreten; sieschilderten sein Äußeres und seine Toilette, sie stellten fest,daß er sich wahrhaft prinzlich benommen habe und kleideten