ein Rückgang in der Ernährungsweise und also in derEntwicklung der ländlichen Bevölkerung zu beobachtensei. Wie das? Die Viehbesitzer waren versessen darauf,alle verfügbare Vollmilch zu Gelde zu machen. Die ge-werbliche Ausbildung der Milchverwertung, die Entwick-lung und Ergiebigkeit des Molkereiwesens verlockte sie,das Bedürfnis des eigenen Haushaltes hintanzustellen.Die kräftige Milchnahrung ward selten auf dem Lande,und an ihre Stelle trat mehr und mehr der Genuß vongehaltarmer Magermilch, von minderwertigen Ersatz-mitteln, Pflanzenfetten und leider auch von weingeist-haltigen Getränken. Die Krittler sprachen von einerUnterernährung, ja geradezu von einer körperlichen undsittlichen Entkräftung der Landbevölkerung, sie brachtendie Tatsachen vor die Kammer, und die Regierung ver-sprach, der Sache ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Aber es war allzu klar, daß die Regierung im Grundvon demselben Geiste beseelt war, wie die irregeführtenViehbesitzer. Im Staatswalde nahmen die Überhauungenkein Ende, sie waren nicht wieder einzubringen und be-deuteten eine fortschreitende Minderung des öffentlichenBesitzstandes. Sie mochten zuweilen nötig gewesen sein,wenn Schädlinge den Wald heimgesucht hatten, aber oftgenug waren sie einzig und allein aus den angeführtenfiskalischen Gründen verfügt worden, und statt die ausden Fällungen erzielten Einnahmen zum Ankäufe neuerForstgrundstücke zu benutzen; statt auch nur die abgehauenenFlächen so rasch als möglich wieder aufzuforsten; statt,mit einem Worte, den Schaden, der dem Staatswaldean seinem Kapitalwert erwachsen war, auch an seinem
47