„Sehr ernst, sehr respektabel. Welchem Spezialgebietdenken Sie sich später zuzuwenden?"
„Den Kinderkrankheiten, Königliche Hoheit. Ich be-absichtige, Kinderarzt zu werden. Ja."
„Sie sind Jude?" fragte der Großherzog, indem erden Kopf zurückwarf und die Augen zusammenkniff...
„Ja, Königliche Hoheit."
„Ah. — Wollen Sie mir noch die Frage beant-worten . . . Haben Sie Ihre Herkunft je als ein Hin-dernis auf Ihrem Wege, als Nachteil im beruflichenWettstreit empfunden? Ich frage als Landesherr, demdie bedingungslose und private, nicht nur amtliche, Gel-tung des paritätischen Prinzips besonders am Herzenliegt."
„Jedermann im Großherzogtum", antwortete Dr.Sammet, „hat das Recht, zu arbeiten." Aber dannsagte er noch mehr, setzte beschwerlich an, ließ ein paarzögernde Vorlaute vernehmen, indem er auf eine linkischleidenschaftliche Art seinen Ellenbogen wie einen kurzenFlügel bewegte und fügte mit gedämpfter, aber innerlicheifriger und bedrängter Stimme hinzu: „Kein gleich-stellendes Prinzip, wenn ich mir diese Bemerkung er-lauben darf, wird je verhindern können, daß sich inmittendes gemeinsamen Lebens Ausnahmen und Sonderformenerhalten, die in einem erhabenen oder anrüchigen Sinnevor der bürgerlichen Norm ausgezeichnet sind. Der Ein-zelne wird gut tun, nicht nach der Art seiner Sonder-stellung zu fragen, sondern in der Auszeichnung dasWesentliche zu sehen und jedenfalls eine außerordentlicheVerpflichtung daraus abzuleiten. Man ist gegen die