„Wollen Königliche Hoheit allergnädigst erwägen ..
„Ich habe erwogen. Ich habe gewogen und zu leichtbefunden. Ich danke!"
Generalarzt Eschcich entfernte sich rückwärts, in ge-beugter Haltung. Im Vorzimmer zuckte er die Achseln,sehr cot im Gesicht. Der Großherzog schritt wieder inder „Bibliothek" auf und ab, knarrend in seinem fürst-lichen Zorn, unbillig, unbelehrt und töricht in seiner Ein-samkeit. Sei es aber, daß er den Leibarzt noch weiter zukränken wünschte oder daß ec es bereute, sich selbst umjede Aufklärung gebracht zu haben, — nach zehn Mi-nuten trat das Unerwartete ein, daß der Großherzog durchHerrn von Lichterloh den jungen Doktor Sammet zu sichin die „Bibliothek" befehlen ließ.
Der Doktor, als er die Nachricht empfing, sagtewieder: „Ganz gern . . . ganz gern ..." und verfärbtesich sogar ein wenig, benahm sich dann aber ausgezeichnet.Zwar beherrschte ec die Form nicht völlig und verbeugtesich zu früh, schon in der Tür, so daß der Adjutant diesenicht hinter ihm schließen konnte und ihm die Bitte zu-raunen mußte, weiter vorzutreten; dann aber stand erfrei und angenehm da und antwortete befriedigend, ob-gleich er die Gewohnheit zeigte, beim Sprechen ein wenigschwer, mit zögernden Vorlauten anzuseßen und häufig,wie zu schlichter Bekräftigung, ein „Ja" zwischen seinenSätzen einzuschalten. Ec trug sein dunkelblondes Haarbürstenartig beschnitten und den Schnurrbart sorglos hän-gend. Kinn und Wangen waren sauber rasiert und einwenig wund davon. Er hielt den Kopf leicht seitwärtsgeneigt, und der Blick seiner grauen Augen sprach von