Herr Generalarzt," sagte er mit vor Gereiztheit schwan-kender Stimme. „Sie werden die Güte haben, mirRede zu stehen. Was ist das mit dem Arm des Kindes?"
Der Leibarzt hob ein wenig die Arme — eine schwacheGeste der Ohnmacht und der Schuldlosigkeit. Er sagte:
„Geruhen Königliche Hoheit . . . Ein unglücklicherZufall. Ungünstige Umstände während der Schwanger-schaft Ihrer Königlichen Hoheit..."
„Das sind Phrasen!" Der Großherzog war so erregt,daß er eine Rechtfertigung nicht einmal wünschte, sie ge-radezu verhinderte. „Ich bemerke Ihnen, mein Herr,daß ich außer mir bin. Unglücklicher Zufall! Sie hattenunglückliche Zufälle hintanzuhalten . . ."
Der Generalarzt stand in halber Verneigung da undprach mit unterwürfig gesenkter Stimme auf den Fuß-boden hinab.
„Ich bitte gehorsamst, erinnern zu dürfen, daß ich zumwenigsten nicht allein die Verantwortung trage. Ge-heimrat Graöanger hat Ihre königliche Hoheit untersucht— eine gynäkologische Autorität . . . Aber niemandenkann in diesem Falle Verantwortung treffen . . ."
„Niemanden ... Ah! Ich erlaube mir, Sie verant-wortlich zu machen . . . Sie stehen mir ein . . . Siehaben die Schwangerschaft überwacht, die Entbindunggeleitet. Ich habe auf die Kenntnisse gebaut, die IhremRange entsprechen, Herr Generalarzt, ich habe in IhreErfahrung Vertrauen gesetzt. Ich bin schwer getäuscht,schwer enttäuscht. Der Erfolg Ihrer Gewissenhaftigkeitbesteht darin, daß ein . . . krüppelhaftes Kind ins Lebentritt. . ."