Tagen des Gebieters geharrt hatten. Dort lag Dorothea;ein breites und starkes Band war um das Fußende ihresBettes geschlungen, daran sie sich hielt wie ein Kind,das Kutschieren spielt, und ihr schöner, üppiger Körpertat harte Arbeit. Doktorin Gnadebusch, die Hebamme,eine sanfte und gelehrte Frau mit kleinen feinen Händenund braunen Augen, die durch runde und dicke Brillen-gläser einen mysteriösen Glanz erhielten, unterstützte dieFürstin, indem sie sagte:
„Nur fest, nur fest, Königliche Hoheit... Es gehtgeschwinde... Es geht ganz leicht... Das zweite Mal...das ist nichts . . . Geruhen: die Knie auseinander. . .Und stets das Kinn auf die Brust ..."
Eine Wärterin, gleich ihr in ein weißes Leinen gekleidet,half ebenfalls und ging in den Pausen auf leisen Sohlenmit Gefäßen und Binden umher. Der Leibarzt, einfinsterer, schwarz-grau-bärtiger Mann, dessen linkesAugenlid gelähmt schien, überwachte die Geburt. Ertrug den Operationsmantel über seiner Generalarzt-Uni-form. Zuweilen erschien in der Kemenate, um sich vomFortschreiten der Entbindung zu überzeugen, Dorotheasvertraute Oberhofmeisterin, Freifrau von Schulenburg-Tressen, eine beleibte und asthmatische Dame von unter-strichen spießbürgerlichem Äußern, die jedoch auf den Hof-bällen eine Welt von Busen zu entblößen pflegte. Sieküßte ihrer Herrin die Hand und kehrte zurück in ein ent-legenes Gemach, wo ein paar magere Schlüsseldamenmit dem diensttuenden Kammerherrn der Großherzogin,einem Grafen Windisch, plauderten. — vr. Sammet,der das Linnengewand wie einen Domino über seinen