telegraphisch benachrichtigt, daß gegen Morgen die Ge-burt begonnen habe, traf um acht mit der unrentablenLokalbahn auf Station Grimmburg ein, von drei odervier offiziellen Persönlichkeiten, dem Bürgermeister, demAmtsrichter, dem Pastor, dem Arzt des Städtchens,mit Segenswünschen empfangen, und begab sich sofortzu Wagen auf die Burg. In der Begleitung des Groß-herzogs langten der Staatsminister vr. Baron Knobels-dorfs und der Generaladjutant General der InfanterieGraf Schmettern an. Ein wenig später fanden sichnoch zwei oder drei Minister, der Hofprediger Oberkirchen-ratspräsident v. Wislizenus, ein paar Herren mit Hof-und Oberhofchargen und ein noch jugendlicher Adjutant,Hauptmann von Lichterloh, auf dem Stammschloß ein.Obwohl der großherzogliche Leibarzt, Generalarzt vr.Eschrich, sich bei der Wöchnerin befand, hatte JohannAlbrecht die Laune, den jungen Ortsarzt, einen I)r. Sam-met, der obendrein jüdischer Abstammung war, aufzu-fordern, ihn auf die Burg zu begleiten. Der schlichte,arbeitsame und ernste Mann, der alle Hände voll zu tunhatte und sich solche Auszeichnung nicht vermutend ge-wesen war, stammelte mehrmals: „Ganz gern . . . ganzgern . . .", was einiges Lächeln hervorrief.
Der Großherzogin diente als Schlafzimmer die„Brautkemenate", ein fünfeckiges, sehr bunt ausgemaltesGemach, welches, im ersten Stockwerk gelegen, durch seinfeierliches Fenster eine prangende Fernsicht über Wälder,Hügel und die Windungen des Stromes bot und ringsmit einem Fries von medaillonförmigen Porträts geziertwar, Bildnissen fürstlicher Bräute, die hier in alten
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