Co r oll aria,
1. ) In der Verbindung beider Geschlechter, alsoin der Realisation des ganzen Menschen, als einesvollendeten Naturprodukts, aber auch nur in dieserVerbindung, findet sich ein äusserer Antrieb zurTugend. Der Mann ist durch den natürlichenTrieb der Grofsmuth genöthigt, edel und ehrwür-dig zu seyn, weil das Schicksal eines freien Wesens,die in vollem Zutrauen sich ihm hingab, davon ab-hängt. Das Weib ist zur Beobachtung aller ihrerPflichten genöthigt durch die ihr angeborne Scham-haftigkeit. Sie kann in keinem Stiike der Vernunft'etwas vergeben, ohne bei sich selbst in den sehrwahrscheinlichen Verdacht zu kommen, dafs sie ihrauch in der Hauptsache vergeben habe, und dafs sie— der unerträglichste Gedanke für sie — ihrenMann nicht liehe, sondern ihn nur als Mittel zurBefriedigung ihres Geschlechtstriebes brauche. —Der Mann, in welchem noch Grofsmuth, dasWeih, in welcher noch Schamhaftigkeit wohnt,sind jeder Veredlung fähig: aber sie sind auf deingeraden Wege zu allen Lastern, wenn der erstereniederträchtig, die andere schamlos wird; wie diesauch die Erfahrung ohne Ausnahme bestätigt.
2. ) Auch ist hier die Aufgabe gelöset: wie kannman das Menschengeschlecht von Natur aus zur Tu-nend führen? Ich antworte': lediglich dadurch, dafsdas natürliche VerhäUnifs zwischen beiden Ge-schlechtern wieder hergesteilt werde. Es giebtkeine sittliche Erziehung ddr Menschheit, ausservon diesem Punkte aus.
§. g. Eine