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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
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Die Modifikationen des Schönen.

mistischen oder pessimistischen Welt- oder Lebensanschauungennachhängen, oder Reflexionen über unser eigenes Schicksal aus-spinnen, und über das Ergebnis derselben uns freuen sollen.Die Tragödielehrt uns nun einmal nichts dergleichen; sondernsie gibt, was sie gibt: das' Tun und Schicksal bestimmterMenschen.

Ich denke hier insbesondere etwa an die Theorie, die unszumutet, aus der. Tragödie dentröstlichen Gedanken zuschöpfen, dafs auch wir einmal in den Hafen des Nichtseinseinlaufen, und da einen angeblichen Frieden, eine angeblicheRuhe und Harmonie finden werden.

Wie man sieht, fordert diese Theorie zugleich von uns,dafs wir das Schicksal des tragischen Helden über die Dichtunghinaus weiterspinnen sollen. Wie könnten wir sonst von demFrieden, der dem Helden nach seinem Tode zu teil wird,wissen? Aber unsere zur Dichtung hinzugedichteten Gedankensind eben nicht die Dichtung.

Dies gilt auch für die Theorie, die uns für den UntergangdesGuten damit trösten will, dafs dieser im Jenseitsbelohntwerde. In Wahrheit besteht der Sinn solcher Tragödien darin,dafs das Gute nicht belohnt wird, und doch das Gute ist, dases ist. Nur wir werden belohnt, nämlich durch den reinenund erhöhten Genufs dieses Guten, den wir eben hierausgewinnen.

Dieser reine Genufs ist es auch, auf welchen die AristotelischeKatharsis hinausläuft. Die Tragödie, sagt Aristoteles, weckeFurcht und Mitleid, und bewirke damit eine Reinigung dieserAffekte. DieFurcht ist hier nicht die Furcht für uns, sondernsie ist unser Fürchten und Bangen mit dem Helden und umden Helden. Und diese Furcht, und das Mitleiden mit demHelden, werden nun in der Tat in der Tragödie gereinigt, ge-läutert, veredelt. D. h. die Tragödie lehrt uns rechte Furchtund rechtes Mitfühlen, Furcht oder Sorge um das, was derFurcht oder Sorge wert ist, und echtes menschliches Mit-fühlen.

Das Gefühl der Tragik ist, so sage ich noch einmal, nichtLust und Unlust, sondern es ist das einzigartige und einheit-