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Die Modifikationen des Schönen.
Und dies durch das Leiden in mir geweckte bezw. gesteigerteWertgefühl nun, zusammen mit der Tatsache des Leidens selbst,die an sich unlustvoll ist, konstituiert das „Mitleid“.
Das tragische Mitleid.
Schliefslich kann noch die Frage gestellt werden, wasdenn mache, dafs ich überhaupt den Menschenwert einesAndern zu fühlen vermag. Die Antwort hierauf ist in früheremZusammenhang gegeben. Sie liegt im übrigen schon in demGesagten: Ich bin selbst Mensch. D. h. dies Fühlen desMenschenwertes eines Andern ist Mitfühlen oder Sympathie.Der fremde Mensch, so wurde ehemals gesagt, bestände fürmich gar nicht, wenn ich nicht aus den Zügen meines eigenenWesens das Bild der fremden Persönlichkeit erzeugte. Die fremdePersönlichkeit oder das fremde Ich ist ein modifiziertes undobjektiviertes, an einer Stelle der Welt aufser mir festgehefteteseigenes Ich. Bei aller Modifikation bleibt es doch in seinenGrundzügen — ich. Demgemäfs ist die Wertung des fremdenMenschen gar nichts als objektivierte Selbstwertung, das Gefühldes Wertes der fremden Persönlichkeit objektiviertes Selbstwert-gefühl.
Dies objektivierte Selbstwertgefühl also ist es, das durchden Anblick des fremden Leidens gesteigert wird. Ich fühle inerhöhtem Mafse mich und meinen Menschenwert in einemAnderen. Ich erlebe oder fühle in höherem Mafse, was es heifst,ein Mensch zu sein.
Und dazu ist das Leiden das Mittel. Und es gibt nichts,was in gleichem Maîse mir den Wert des Menschen eindringlichmachen könnte als das Leiden. In dieser Wirkung besteht, sokönnen wir sagen, ein Teil des ethischen Berufes des Leidensin der Welt. In eben dieser Wirkung besteht aber zugleich seinganzer ästhetischer Beruf. Es wird mir, ich wiederhole, zumBewufstsein, d. h. zum Gefühl gebracht, was es heifst, ein Menschsein; es wird mir dieser absolute Wert eindringlich.
Das Gefühl des Menschenwertes, das mir das angeschauteLeiden schafft, ist Sympathie. Sympathie ist Einfühlung, Mit-erleben.