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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Die Modifikationen des Schönen.

uns affizieren müsse. Von diesem Affiziertsein nun, genauervon der Höhe desselben, haben wir ein Gefühl. Es ist also mitjenem Satze nicht nur eine gemeinsame Bedingung der Lustund Unlust bezeichnet, sondern zugleich eine diesen beidenGefühlen gemeinsame Gef ühisqualität. Dafs sie beiden gemein-sam ist, dies besagt zugleich, dafs sie selbst ein Drittes ist.

Ein an sich wohlgefälliger Klang sei erst schwach, und nehmedann allmählich an Stärke zu. Dann steigert sich das Wohlge-fallen; es erfreut uns das deutlichere, vollere, kräftigere Heraus-treten dieses an sich wohlgefälligen Klanges. Denken wir unsnun aber die Stärke desselben weiter und weiter gesteigert; dannkommt schliefslich ein Punkt, wo das Lustgefühl in ein Unlust-gefühl umschlägt. Dabei bleibt doch das Gefühl des immerstärkeren Affiziert- oder Inanspruchgenommenseins bestehen.Die wachsende Intensität des Klanges, wie die wachsende Em-pfindungsintensität überhaupt, ist begleitet von einem wachsen-den Gefühl des Eindringlichen, Aufdringlichen, Aggressiven.Während die Lust in Unlust umschlägt, erfährt dieses letztereGefühl keinen solchen Umschlag, sondern fährt fort sich zusteigern. Oder umgekehrt gesagt, indem dieses Gefühl suk-zessive sich steigert, vollzieht sich jener Umschlag von Lust inUnlust. Damit ist zugleich gesagt, dafs jenes Gefühl weder einLust- noch ein Unlustgefühl ist. Es ist also ein eigentüm-liches Gefühl, oder eine eigentümliche Gefühlsqualität.

Vielleicht meint jemand, was hier als Gefühl der starkenInanspruchnahme bezeichnet werde, sei nichts Anderes als dieEmpfindungsintensität selbst, sei also nicht ein Gefühl, sonderneine Bestimmtheit der Empfindung.

Dies hiefse die Sache auf den Kopf stellen. Was wirIn-tensität einer Empfindung zu nennen pflegen, die Lautheit einesKlanges etwa, ist zunächst eine Qualität der Empfindung, ver-gleichbar jeder anderen Empfindungsqualität. Der laute Ton istvom leisen qualitativ verschieden. Aber in der Natur dieserQualität, Lautheit genannt, liegt es nun, dafs mit ihr ein ihrerHöhe entsprechendes Gefühl der Inanspruchnahme sich verbindet.Darum, und darum allein, nennen wir diese Qualität Intensität.Intensität, so können wir allgemein sagen, ist diejenige Qualität