Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
496
Einzelbild herunterladen
 

496

Farbe, Ton und Wort.

vom dargestellten Inhalt nicht zu trennen. Wenn ich etwasanders sage, so sage ich etwas Anderes, rücke zum mindestenden Gegenstand in andere Beleuchtung, oder mache ihn klarer,lebendiger, eindrucksvoller, bezw. das Gegenteil. Damit wirder für den, der die Worte hört, ein anderer. Er wird als einanderer innerlich erfahren. Dennoch läfst sich in der theo-retischen Betrachtung beides scheiden.

Immer ist dabei festzuhalten: Für den ästhetischenEindruck kann es nur darauf ankommen, was in dem Wort-ganzen, der Rede oder Dichtung, für den Hörer unmittelbarliegt, niemals, was er erschliefst, oder was ihm zum Bewufst-sein kommt, wenn er irgend reflektierend oder phantasierendseinen Blick von der Rede oder Dichtung, so wie sie vorliegt,abschweifen oder darüber hinausschweifen läfst.

Emotionale Ausdruckselemente.

Diesen durch die Form der Darstellung gegebenen intellek-tualen Ausdruckselementen stehen nun gegenüber die emotio-nalen, die von jenen wiederum nur theoretisch sich trennenlassen: In der Rede oder Dichtung liegt unmittelbar nicht eineArt den Gegenstand zu betrachten und gedanklich damit zuoperieren, sondern eine gemütliche Anteilnahme, eine Schätzungoder Wertung, Liebe oder Hafs, Bewunderung oder Abscheu.Diesem Ausdruck der gefühlsmäfsigen Anteilnahme dienen zu-nächst die Affektlaute und Interjektionen. Es dienen ihm aberweiter alle Prädikate, die eine Wertung oder einen gefühls-mäfsigen Eindruck von einer Sache in sich schliefsen, jedeWahl solcher Worte und Wendungen, die nun einmal unsnatürlich sind, wenn wir nicht einfach und nüchtern be-schreiben, berichten, erzählen, Wahrheiten aussprechen, sondernzugleich irgend mit unserer fühlenden Persönlichkeit dabei sind.

Schliefslich dient solchem emotionalen Ausdruck jede Artder Rede überhaupt. Unsere Sprache ist unter dem Einflufsder Tendenz, alles zu vermenschlichen, entstanden. Sie trägtüberall die Einfühlung in die Dinge in sich. Wer mir sagt,dafs ein Berg sich erhebe, ein Tal sich erstrecke, eine Ebene