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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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493
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Fünftes Kapitel: Symbolik der Sprache. Akustische und formale Elemente. 493

So wenigstens verhält es sich, wenn der Vortragende nureben die Rede oder Dichtung vorträgt, d. d. nicht etwas ausseinem eigenen Belieben zu ihr hinzufügt, noch auch etwas davonhinwegnimmt. Dies aber ist hier vorausgesetzt. Unter dieserVoraussetzung ist der Vortragende nichts anderes alsdie Redeoder Dichtung. D. h. er ist das zufällige Organ, durch welchesdie Rede oder Dichtung zu uns redet.

Lesen wir dagegen die Rede oder Dichtung, so ist jenesideelle Ich in jedem Sinne nur in der Dichtung gegeben. DieRede oder Dichtung ist jetztdie redende Person. In derRede oder Dichtung selbst steht hinter den Worten, oder überallzwischen ihnen, ein ideelles Ich, das durch die Worte hindurchzu uns redet oder in ihnen sich ausspricht.

Dies ideelle Ich ist aber wiederum gar nichts anderes als ich selbst. D. h., ich finde mich selbst in den Worten undWortverbindungen redend und mich aussprechend. Das ideelleIch der Dichtung ist eben ein von mir eingefühltes. Es istmein ideelles Ich, aber doch in der Dichtung real. Und diesideelle Ich, oderdie Rede oderdie Dichtung, dies mit miridentische Individuum, spricht sich aus oder redet zu mir, sowie es das zur Rede oder Dichtung gehörige Tempo, der ihmnatürliche Tonfall, der Rhythmus, in welchem sie einherschreitet,bedingt. Die Rede oder Dichtung ist, vermöge dieser Elemente,kraftvoll oder sanft, schwerfällig oder leicht, fröhlich oder ernst,ieidenschaftlich oder ruhig, genau so, wie eine Persönlichkeitdas Eine oder das Andere ist oder sein kann.

Formale Ausdruckselemente.

Der im Vorstehenden bezeichnete Gegensatz im Inhalt derSprachsymbolik oder der Einfühlung in das Sprachkunstwerk,der Gegensatz also zwischen der Beseeltheit der Klänge undKlangverbindungen einerseits, und dem in den rhythmischenElementen liegenden Ausdruck eines durch die Worte zu unsredenden ideellen Ich der Rede oder Dichtung ist doch auchwiederum insofern kein Gegensatz, als die Klangelemente ebendoch auch zum einheitlichen Ganzen der Rede oder Dichtung