Viertes Kapitel: Anfangsgründe der Musikästhetik.
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Gliederung der Melodie. Zusätze.
Die Melodie im Ganzen ist, so deutete ich schon an, ebensowie der Akkord, etwa der Dreiklang, ein System von Ton-rhythmen; nur ein solches, das sukzessive entsteht und sichbereichert. Sie ist ein System, das entsteht im Gegensatz undKampf verschiedener Rhythmen, die nebeneinander den An-spruch erheben, Grundrhythmen des Ganzen zu sein, einemannigfach differenzierte und immer reicher sich differenzierenderhythmische Bewegung, die im Fortgang dieses Kampfes eineneinheitlichen Rhythmus zur Herrschaft bringt, und in ihm, alsder Basis für alle die Rhythmen, abschliefsend zur Einheit sichzusammenfafst.
Der Weg, auf welchem dieses rhythmische Ganze entsteht,gliedert sich in Teile, in Sätze und Perioden. Innerhalb derSätze finden sich die Einheiten inniger zusammengehörigerTöne, die ich schon früher den einzelnen Worten der Rede ver-glich. Die Melodie nähert sich in den einzelnen Sätzen demzur endgültigen Herrschaft bestimmten Grundrhythmus oder ent-fernt sich von ihm. Sie gelangt zu Haltpunkten oder Punkteneines relativen Abschlusses. Es entstehen Einschnitte und Ab-schnitte. Sie oszilliert um den geraden Weg zum Ziel, wieder-holt Bewegungen, modifiziert sie, führt Gegenbewegungen aus,und gelangt so schliefslich zur endgültigen Gleichgewichtslage.— Darauf kann hier nicht im Einzelnen eingegangen werden.Für eine teilweise etwas genauere Bezeichnung des Sachver-haltes verweise ich auf einen Aufsatz „zur Theorie der Melodie“in der Zeitschrift für Psychologie.
Nur noch wenige Zusätze. Das System von Tonrhythmen,als dessen sukzessives Entstehen die Melodie sich darstellt,bereichert und vermannigfaltigt sich, wie schon angedeutet,und es vermannigfaltigt sich zugleich jener Gegensatz und Kampf,wenn in die Melodie leiterfremde Töne, etwa in die Melodie inCdur das Fis hineinkommt.
Die Einheit, die im Fortgang und Abschlufs der Melodiesich ausgestaltet, erscheint auch in der fertigen Melodie alseine minder geschlossene, relativ getrübte, mit einem Moment