Neuntes Kapitel: Musikalischer Rhythmus und Allgemeines. 419
tnus der musikalischen oder sprachlichen Bewegung.Diese Bewegung ist zunächst meine apperzeptive Bewegung,mein sukzessives Auffassen, zu einander fiinzunehmen, meinEinsetzen und Absetzen, meine Betonung und Unbetonung; sieist dies innere Tun. Zugleich ist doch dieses Tun an die Folgenvon Silben oder Tönen gebunden; es stellt sich mir dar alsetwas zu ihnen Gehöriges, in ihnen Begründetes, kurz als Be-wegung, die in der Folge von Silben und Tönen selbst stattfindet,als ein in den Tönen und Silben sich verwirklichendes Tun.
Dabei nun aber bleibt es nicht. Jedes einzelne innere Tunoder Verhalten, so sahen wir, gehört seiner Natur nach einerumfassenden psychischen Zuständlichkeit an, einer allgemeinenWeise der psychischen Erregung; es bildet damit eine Einheit.
Dies nun gilt auch von jenem rhythmischen Tun, oder derin den Silben und Tönen liegenden Bewegung. Dieselbe gehörtzu einer allgemeinen psychischen Zuständlichkeit oder Stim-mung, oder diese gehört zu ihr.
Diese Zugehörigkeit ist aber besonderer Art; nämlich quali-tative Zugehörigkeit. Sie ist ein Aneinandergebundensein durchdas Band der Gleichartigkeit. Zu jeder rhythmischen Be-wegung gehört die gleichartige Stimmung; sie gehört dazu,vermöge eben dieser Gleichartigkeit.
Diese Zugehörigkeit besteht aber nicht etwa nur für meinDenken, sondern sie ist eine psychologische Tatsache, d. h. esbesteht zwischen den bestimmt gearteten rhythmischen Be-wegungen und den zugehörigen Stimmungen eine Wechsel-beziehung der Art, dafs insbesondere die rhythmische Be-wegung die Stimmung zu wecken vermag.
Gesetz der Resonanz des Gleichartigen.
Fassen wir den Rhythmus zunächst als einfache regel-mäfsige Folge von Taktschlägen, oder von Tönen in der Musik.Die Auffassung dieser regelmäfsigen Folge wirkt über sich selbsthinaus. Ich bin, wie ich schon eingangs sagte, geneigt, demRhythmus mit körperlichen Bewegungen, etwa des Kopfes, derHand, der Fufsspitzen zu folgen.
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