Neuntes Kapitel: Musikalischer Rhythmus und Allgemeines. 417
Der Rhythmus und die musikalischen Beziehungen.
In solchen komplizierten Formen hat, wie gesagt, dasPrinzip der Differenzierung von innen heraus über das Prinzipder gleichen Zeiteinteilung, das zunächst jederzeit ein Prinzipder Zweizahl ist, relativ den Sieg davon getragen. Aber jenesPrinzip erweist sich nun noch weiterhin als wirksam.
Das Prinzip der gleichen Teilung fordert die gleiche Teilung.Aber ihm steht nun entgegen die musikalische Zusammen-gehörigkeit der Töne, die wir schon zur Zusammengehörigkeitder Silben zu Worten, und zur logischen Zusammengehörigkeitder Worte in Analogie stellten, und die ganze Lebendigkeit derinneren Bewegung, die in den Tönen und ihrer Folge als solcherliegt. Diese schliefst in sich allerlei Weisen der inneren Be-ziehung und Wechselwirkung, die wiederum analog sind denWeisen der Wechselwirkung innerhalb des akzentuierendenRhythmus, von denen unser siebentes Kapitel handelte. EineBewegung scheint in einem Teile zurückgehalten, um im nach-folgenden frei auszulaufen; oder eine Gesamtbewegung läuft inder einen Hälfte aus und gleitet in die zweite Hälfte hinüber,um am Ende des Ganzen bestimmt in sich abgeschlossen zuwerden. Es folgen sich in verschiedenartigster Weise imEinzelnen Spannung und Lösung, freies Auslaufen und kraft-voller Abschlurs; es folgen sich ebenso einheitliches Fortgehenin einer Bewegung, und Teilung derselben. Kurz, es findenalle diejenigen Arten der inneren Lebendigkeit statt, die wirvom akzentuierenden Rhythmus her kennen.
Der Unterschied aber ist jederzeit der, dafs beim musi-kalischen Rhythmus jenes regelmäfsige Auf- und Abwogen derGesamtbewegung mit dem gleichen Abstand der Höhepunkte,ebenso der gleiche Mafsstab der Teilung, aufrecht erhalten bleibt.Damit ist der feste Rahmen gegeben, innerhalb dessen sich dasfreiere Leben der Töne entfaltet. Dasselbe spielt sich ab inner-halb oder auf der Basis jener Grundbewegung, jenes regel-mäfsigen allgemeinen Wellenschlages. Zugleich bleibt es durchden’ gleichen Mafsstab der Teilung auch qualitativ daran ge-Lipps, Ästhetik. 27