Viertes Kapitel: Das einfache rhythmische Ganze.
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Fällen genau entgegengesetzt. Der Schwabe läfst die Stimmesinken, wo der Mittel- und Norddeutsche sie erhebt.
Dazu nun bemerke ich hier schon, Späterem vorgreifend:Ein prinzipieller Gegensatz, der Art dafs dieselben Faktorender Vorstellungsbewegung in einem Teile Deutschlands in einerHebung, in einem anderen Teile in einer Senkung der Stimmezum Ausdruck kommen, besteht nicht. Sondern die gleichenMomente wirken überall in gleicher Richtung. Nur wirken ebenbei gewissen Betonungen verschiedene Momente einander ent-gegen. Und in der Natur des einen liegt es, eine Steigerung,in der Natur des andern, eine Senkung der Stimme zu be-wirken. Und von diesen Momenten nun kann das eine oderdas andere in der Vorstellungsbewegung eines Individuumsüberwiegen.
Genauer gesagt: Was die Stimme steigert, ist die Spannung,das Streben, das nicht unmittelbar sich befriedigt. Zugleichaber liegt in jeder Betonung als solcher, abgesehen von dieserSpannung, eine Tendenz des Verweilens, des Rühens oderAusruhens auf der betonten Silbe. Und jede Ruhe kommt inder Senkung der Stimme zum Ausdruck.
Und nun kann es in der Natur eines Individuums odereines Volkes liegen, jene Spannung in höherem Grade in sichwirken zu lassen, und es kann ein anderes Individuum geneigtsein, in höherem Grade in den Betonungen auszuruhen, viel-leicht sich zu „wiegen“. Im letzteren Falle sinkt die Stimmeauch bei solchen Betonungen, die jene Spannung in sich schliefsen.Damit ist doch die Tendenz der Steigung der Stimme, diein der Spannung liegt, nicht aufgehoben. Sie kommt auch indiesem Falle zur Verwirklichung, nur nicht in den Betonungen,sondern in den zugehörigen, insbesondere den nachfolgendenUnbetonungen.
Ich führe als einfaches Beispiel an jenen schon erwähntenSatz: „Die Kunst ist lang, das Leben ist kurz.“ Die zweiteHälfte dieses Satzes wird der Norddeutsche etwa so sprechen:
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