Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

324

Der Rhythmus.

und Tieftons. In jeder rhythmischen Bewegungseinheit liegteben einerseits das im Anfangspunkte zunächst zurückgehalteneFortstreben zum Ziel, andererseits das Ziel; die Spannung unddas Zurruhekommen der Bewegung. Und dieser Gegensatz findetauch hier im Gegensatz der Höhe und Tiefe der Stimmlageseinen natürlichen Ausdruck.

Beziehung zwischen Hochton und Tiefton.

Die beiden Betonungen, zwischen welchen die rhythmischeBewegungseinheit schwebt, stehen, wie gesagt, einander gegen-über und halten sich das Gleichgewicht. Dies scheint dasGegenteil der Unterordnung einer Betonung unter eine andere,von welcher früher die Rede war. Die erste Betonung ist nichteine Vorstufe der zweiten oder eine Vorbereitung derselben;ihre Funktion besteht nicht darin, auf sie hinzuweisen oderhinzuführen. Ebensowenig ist die zweite Betonung ein Nach-klingen der ersten, oder ein Ausklingen der von ihr eingeleitetenBewegung; kurz etwas zu ihr Hinzukommendes, sich an sieAnhängendes. Sondern zu alledem bildet das Verhältnis derbeiden Hauptbetonungen der rhythmischen Bewegungseinheiteinen vollen Gegensatz.

Trotzdem besteht doch auch wiederum zwischen der erstenund der zweiten dieser Hauptbetonungen eine Art von Beziehungder Unterordnung. In jeder der beiden Hauptbetonungen fafstsich das Ganze der rhythmischen Einheit zusammen; eben da-durch bildet die eine für die andere das Gegengewicht. Aberdie zweite bildete den eigentlichen Zielpunkt des Ganzen; inihr fafst sich das Ganze in besonderer Weise zusammen; esfafst sich darin abschliefsend zusammen. Damit ordnet sichdas Ganze dem zweiten Hauptpunkt in spezifischer Weiseunter. Und damit ordnet sich auch der erste Hauptpunkt ingewisser Weise dem zweiten unter. Die Bewegung ist im erstenHauptpunkte zusammengefafst, um dann im zweiten endgültigsich zusammenzufassen. Wie in der ganzen Bewegung, so liegtauch in der Anfangsbetonung schon das Hinstreben zum Ziel;immerhin so,- dafs sie ihm zugleich das Gegengewicht hält.