Zweites Kapitel: Weiteres über rhythmische Formelemente. 317
der Worttrochäen, Wortjamben, Wortanapäste u. s. w. im po-etischen Rhythmus vergleichbar wäre. Und fänden wir der-gleichen, so wäre es nicht wohlgefällig, sondern mifsfällig.Wir fordern hier die „einförmige“ Wiederkehr des Gleichen,den „eintönig“ sich selbst gleichen Rhythmus.
Der Grund hierfür liegt in der Besonderheit des Simultanengegenüber dem Sukzessiven, des Daseienden gegenüber demWerdenden. Beim Astragal ist überall nebeneinander und ineinem und demselben Moment Gegensatz und Gleichgewichtdes Fortschreitens und des Zurückhaltens, des Aussichheraus-gehens und Insichbleibens, der Spannung und Lösung.
Anders beim Sukzessiven, ln seiner Natur liegt es, dafsdieses Gleichgewicht in der Zeit entsteht, sowie es selbst inder Zeit entsteht. Dies Entstehen des Gleichgewichtes ist abernotwendig Aufhebung desselben, Verschiebung nach der einenund nach der anderen Seite, und Wiederherstellung. Es istStörung, Anhalt, Unterbrechung des gleichmäfsigen Fortganges,und innere Arbeit der Überwindung solcher Momente.
Solche innere Arbeit nun fehlt in jenen einfachen Folgenvon Jamben, Trochäen, Daktylen u. s. w. Und dies, nichtetwa der blofse Mangel des Wechsels an sich, nicht die „Ein-förmigkeit“ oder „Eintönigkeit“ als solche, ist Grund der Mifs-fälligkeit jener Folgen, oder des Eindrucks ihrer „Einförmigkeit“und „Eintönigkeit“. Der Wechsel jener Formen oder jener Wort-füfse ist erforderlich, weil er der Träger ist der inneren Gegen-sätze, in welchen sich solche innere Arbeit vollzieht.
Solche „Arbeit“ liegt aber unmittelbar im Wechsel derTrochäen und der Jamben, der Daktylen, der Amphibrachyenund Anapäste. Sie liegt zunächst im Wechsel der Füfse mitAnfangs- und derjenigen mit Endbetonung. Der Amphibrachyshat die Bedeutung einer vermittelnden Form. Er leitet voneiner jener beiden unmittelbar entgegengesetzten Formen zuranderen über.