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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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311
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Zweites Kapitel: Weiteres über rhythmische Formelemente 311

Amphibrachys.

Die Gliederung der rhythmischen Reihe nach dem Prinzipder Zweizahl wurde im Vorstehenden als die zunächst natür-liche bezeichnet. Darum ist doch die Gliederung nach demPrinzip der Dreizahl nicht unnatürlich.

Auch drei in einer Reihe unmittelbar aufeinanderfolgendeElemente stehen sich wechselseitig, obgleich nicht so nahewie zwei, so doch immerhin nahe genug. Sie stehen einandernäher als vier oder fünf, oder gar als beliebige Elemente, diedurch andere von einander getrennt sind. Und ich sagtesoeben auch schon, das zu einem ersten betonten Elementgehörige unbetonte zweite gehöre doch, in dem einheitlichenGanzen, auch zum nachfolgenden betonten dritten. Ebensogehört zum betonten zweiten Element nicht nur das voran-gehende unbetonte erste, sondern, wiederum innerhalb deseinheitlichen Ganzen, auch das nachfolgende unbetonte dritte.Es sind also in der einheitlichen Reihe, wenn ich sie als ein-heitliche fasse, jederzeit nicht nur zwei, sondern in gewissemGrade auch drei Elemente zusammengefafst.

Vollziehe ich nun aber eine solche Zusammenfassung zudreien, so scheint zunächst die Art der Unterordnung natür-lich, von der schon oben die Rede war, d. h. die Unterordnungeines ersten und eines dritten Elementes unter das mittlere.Das mittlere ist es doch, dem das erste und ebensowohl daszweite unmittelbar benachbart sind. Die Mitte scheint hier, wieauf räumlichem Gebiet, der natürliche Schwerpunkt oder dasnatürliche Gravitationszentrum. Der natürliche Schwerpunktetwa einer Fläche ist die Mitte derselben. Der Tendenz derInitial- und Finalbetonung träte darnach hier eine Tendenz derZentralbetonung gegenüber. Indem sie sich verwirklicht, ge-langen wir, so scheint es, zu einer möglichst innigen Einheitder drei Elemente. Es scheint in ihr dem Bedürfnis derVereinheitlichung am meisten entsprochen. Diese Form derUnterordnung bezeichnen wir, wiederum in Ermangelung einesbesseren Namens, als Form des Amphibrachys.