Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

Erstes Kapitel: Die einfachsten Formelemente des poetischen Rhythmus. 299

Es liegt in der Natur unserer Auffassungstätigkeit nichtnur dies, dafs sie sich spannt und entspannt, oder sich kon-zentriert und löst, sondern es liegt in ihr, wie wir wissen, vorallem die Tendenz, ein Mannigfaches zusammenzufassen undzu sondern. Ich fasse die Elemente der rhythmischen Reihesukzessive auf. Nicht, um eines über dem andern zu verlieren.Sondern ich nehme sie zueinander hinzu, halte also die früheraufgefafsten fest, indem ich zu den späteren fortgehe. Ichfasse sie so zusammen zur Einheit einer einzigen Folge vonElementen.

Wieviele solche sich folgende Elemente ich zu einer Einheitzusammenfassen kann, bleibe hier dahingestellt. Ich nehmeaber an, eine Reihe von Elementen sei so grds, dafs sie nochzur Einheit zusammengefafst werden kann. Und ich denke sietatsächlich so zusammengefafst.

Dann besteht zugleich das Bedürfnis, in dieser, alle Elementeumfassenden Einheit wiederum Einheiten geringeren Umfangesabzugrenzen, oder jene Einheit in minder umfassende Einheitenzu gliedern. Und es besteht das Bedürfnis der Untergliederung,bis ich zu den Elementen gelangt bin. Oder umgekehrt gesagt:Es besteht das Bedürfnis, erst Elemente zu Einheiten geringstenUmfanges, dann wiederum Einheiten von solchen Einheiten zueiner Einheit höherer Ordnung u. s. w. zusammenzufassen, bisich zur allumfassenden Einheit gelangt bin.

Prinzip der Zweizahl.

Dabei ergibt sich nun alsbald die wichtige Tatsache: Alsdie natürlichste Gliederung erscheint die Gliederung nach demPrinzip der Zweizahl.

Dies verstehen wir, wenn wir folgendes bedenken: Derobjektive Grund der Zusammenfassung der rhythmischen Elementeüberhaupt ist ihre zeitliche Folge. Und je unmittelbarer dieElemente sich zeitlich folgen, umso stärker ist der Antrieb zurZusammenfassung.

Nun folgt aber jedem Element der Reihe von Taktschlägenunmittelbar ein und nur ein Element. Ein drittes Element