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Raumästhetik.
als Ganzes gleichzeitig da und dort sein, da in dieser, dort injener Weise sich betätigen. Darüber vergleiche man das aufSeite 196 ff. Gesagte.
Durch solches Zusammenwirken lebendiger Einheiten oderIndividuen entsteht der Organismus des Ganzen. Das archi-tektonische Ganze ist nach jedermanns Meinung ein solcherOrganismus. Dieses Wort wäre aber vollkommen leer, ohneden Gedanken eines im Ganzen lebendigen Wollens und Tuns.
Simultanes Zusammenwirken.
Die Differenzierung im Nebeneinander, die bei der Säulein der Folge von Basis, Schaft, Kapitäl gegeben ist, ist, wieich sagte, zugleich eine Differenzierung im „Nacheinander“.Die Teile oder ihre Funktionen „gehen auseinander hervor“.Neben dieser sukzessiven Differenzierung nun steht eine anderemögliche Art der Differenzierung im Nebeneinander, nämlich diesimultane.
Die Säule funktioniert nicht als einzelne. Jede Säule derSäulenreihe trägt das Gebälk in ihrem Teil. Aber dies heifstnicht, sie trägt für sich allein einen Teil oder ein Stück desGesamtgebälkes, um es ihrer Nachbarin zu überlassen, dafssie unabhängig von ihr eine gleichartige Leistung vollbringe.Sondern die Säulen tragen zusammen, oder als Einheit,das Gebälk. Es ist in allen den Säulen ein einziges, auf dieeinzelnen Individuen sich verteilendes, aber darum doch ein-heitlich bleibendes Tun.
Auch dergleichen nun kennen wir nur im wollenden Indi-viduum. Man denke an das Stehen auf zwei Beinen, an dasAusbreiten beider Arme, vermöge eines einzigen Aktes desWollens, das Greifen eines einzigen Objektes mit den fünf Fingern.Zu einem analogen, in verschiedenen simultanen Akten sich ver-wirklichenden Tun also wird für die ästhetische Betrachtung dieFunktion der nebeneinanderstehenden Säulen. So erst wird dieSäulenreihe uns menschlich, also ästhetisch verständlich.
Das einheitliche Tun der Säulenreihe ist, genauer gesagt,Sache eines einzigen Individuums. Die Säulenreihe ist also