Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

Viertes Kapitel: Verbindung und Gliederung der Raumformen. 271

Schaft richtet sich auf gegen die Wirkung der Last, dieBasis fafst festen Fufs mit Rücksicht auf die zu tragendeLast.

Endlich ist aber die Differenzierung im Nebeneinander undNacheinander, die in diesen drei Teilen sich vollzieht, zugleicheine Unterordnung im Nebeneinander. Die ganze Säule fafstsich in gewisser Weise in der Basis, und sie fafst sich wiederumin anderer Weise im Kapitäl zusammen oderverdichtet sichdarin. Dabei ist dieVerdichtung oder Unterordnung wiederumeineobjektive, d. h. in der Säule selbst liegende, weil in sieeingefühlte, Unterordnung von Funktionen. In der BasisfaTst sich eine Funktion des Ganzenobjektiv zusammen,nämlich die Funktion des festen Stehens. Diese ist Sache derganzen Säule, aber sie ist von der Basis in besonderer Weiseübernommen. Nicht die Basis nur steht, sondern die ganzeSäule. Dieses Stehen der ganzen Säule aber findet in spezi-fischer Weise in der Basis statt.

Und ebenso repräsentiert das Kapitäl speziell das Tragender Säule oder das Aufnehmen der Last. Wiederum nimmt dieganze Säule die Last auf und trägt sie; aber in der Säule istdieses Tragen, oder ist die Säule, sofern sie trägt, zusammen-gefafst oder verdichtet.

Schliefslich müssen wir hinzufügen: Wie die Säule demKapitäl und der Basis, so ist sie auch dem Schaft untergeordnet.Der Schaft repräsentiert in sich in spezifischerWeise das Sich-aufrichten der Säule; nämlich der ganzen Säule. Auch inihm also ist eine Funktion der ganzen Säuleverdichtet.

Darnach erscheint schliefslich die Säule jedem ihrer Teileuntergeordnet; jeder der Teile ist Herrscher. Dies ist mög-lich, weil in Wahrheit nicht die Säule, sondern jedesmal nur eineSeite derselben in einem der drei Glieder zusammengefafst ist.Nehmen wir die Säule als Einheit der drei Funktionen, sobleibt es bei dem schon Gesagten: Jeder der Teile ist dannuntergeordnet oder dient dem Ganzen. Dabei ist wiederum dasDienen im vollen Sinne zu nehmen, d. h. als Unterordnungeines Willens. Die Säule im Ganzen ist ein wollendes Indi-viduum. Nur weil sie dies ist, kann sie nach früher Gesagtem