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Raumästhetik.
Aber dieser Säule stehen Stützen gegenüber, bei welchendas Gegenteil der Fall ist. Auch die dorische Triglyphe isteine Stütze. Aber hier geht die Hauptbewegung von oben nachunten. Die Triglyphe überträgt die Last des Dachgebälkes aufden Architrav. Hier ist der Punkt, wo die beiden entgegen-gesetzten Bewegungen, die Bewegung der Säule von unten nachoben, und die des Gebälkes von oben nach unten, sich treffenund sich ausgleichen. Es ist hier ein Punkt der ruhenden Span-nung. Auch die Triglyphe erhebt sich freilich, aber nur, ummit Sicherheit die Übertragung der Last zu vermitteln. DieTriglyphen sind „Geisipoden“, dem Fufs oder Bein des Tischesoder Stuhles, ob zwar nicht in jeder Hinsicht, vergleichbar. Siegehören dem an, was über ihnen ist, also zunächst dem Geison.Daher sie durch ein Astragal an den Geison geknüpft sind.Und sie erstrecken sich von da aus nach unten, so wie dasTischbein von der Masse des Tisches aus nach unten, gegenden Boden, sich erstreckt. Hier ist also die Bewegung vonunten nach oben der von oben nach unten untergeordnet.
Endlich besteht die dritte Möglichkeit: Beide Bewegungenoder Tätigkeiten stehen im Gleichgewicht. Dies ist der Fallbei gewissen Stützen des romanischen Baues. Sie sind zwischenoben und unten eingespannt. Sie erheben sich weder gegendie Last, noch übertragen sie die Last auf den Boden, sondernsie halten das Oben und Unten auseinander.
Der Gegensatz dieser drei Möglichkeiten hat allgemeinereBedeutung. Überall in räumlichen Gebilden ist, im Einzelnenund im Ganzen, die Frage, welche der beiden einander ent-gegengesetzten Tätigkeiten die herrschende, oder, wie ich ananderer Stelle gesagt habe, die „primäre“ sei, oder ob sichvielleicht beide für die ästhetische Betrachtung das Gleich-gewicht halten. Ich sage, für die ästhetische Betrachtung, denn,dafs sie tatsächlich sich das Gleichgewicht halten, ist jederzeitselbstverständlich.
Achten wir jetzt bei der Säule auch noch auf ihre hori-zontalen Tätigkeiten. Auch hier ist Tätigkeit und Gegentätig-keit. Die Säule breitet sich in horizontaler Richtung aus, undfafst sich in sich auch wiederum in horizontaler Richtung zu-