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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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267
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Viertes Kapitel: Verbindung und Gliederung der Raumformen. 267

Dies ist eine Differenzierung im Nebeneinander. Dieselbebraucht nicht ein Auseinandergehen in gesonderte Teile, ineinzelneSchritte, zu sein; aber sie kann es sein. In jedemFalle ist das Nebeneinander zugleich ein Nacheinander. Unddoch ist es auch wiederum ein durchaus simultanes Dasein.Die Säule richtet sich, in gleicher Weise, wie dies oben vonder vertikalen Linie gesagt wurde, auf, so wie ich mich auf-richte, wenn ich in aufrechter Stellung verharre. Dieses Ver-harren ist ein fortgehendes Erzeugen. Das Sichaufrichten derSäule ist eine beständig sich ausströmende oder auswirkendeKraft. Dadurch entsteht die Säule in jedem Momente vonneuem; ihr Entstehen beginnt in jedem Momente, und ist injedem Momente vollendet.

Tätigkeit und Gegentätigkeit.

Tätigkeit, Kraftaufwand ist aber nicht ohne Gegensatz undGegenwirkung, ohne etwas, das überwunden oder dem stand-gehalten werden mufs. ln der Säule nun wird die Wirkung derSchwere überwunden. Dabei ist vorausgesetzt, dafs sie dieseWirkung erfahre, oder erleide. Jene Aktivität schliefst also wie übrigens jede Aktivität überhaupt eine Passivität in sich.

Zugleich ist doch die Wirkung der Schwere an sich be-trachtet auch wiederum eine Art derTätigkeit. Sie ist die zurTätigkeit der Säule gehörige Gegentätigkeit. Hiermit ist eineneue, immanente Differenzierung gegeben, nämlich eben dieDifferenzierung in Tätigkeit und Gegentätigkeit.

Damit nun taucht von neuem die Frage der Unterordnungauf: Wie verhalten sich die beiden Tätigkeiten zueinander?

Offenbar besteht in diesem Punkte eine dreifache Möglich-keit. In der antiken Säule ist die Wirkung von oben nach untender von unten nach oben gehenden Tätigkeit untergeordnet. DieBewegung in der Säule, d. h. die Grundbewegung, geht nachoben; die in der Säule herrschende Funktion ist die desSichaufrichtens. Die Wirkung der Schwere ist dasjenigeMoment, wogegen die Säule sich aufrichtet; sie ist das zuÜberwindende.