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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Viertes Kapitel: Verbindung und Gliederung der Raumformen. 265

oder Menschenkopf; oder es wird blumenartig gebildet; ausKreisen werden Rosetten u. s. w. Ein andermal wird die Form,die mehr oder minder vollkommen der Natur nachgebildet war,sukzessive in abstrakte geometrische Formen umgewandelt.Man holt schliefslich planmäfsig aus den Naturformen dasBildungsgesetz stilisierend heraus.

Viertes Kapitel: Verbindung und Gliederung der Raumformen.

Differenzierung der Funktionen.

Wir sahen, alle Raumformen sind uns lebendig. Es ist inihnen Bewegung und Tätigkeit, Sichausdehnen und Sichbe-grenzen, Ausweitung und Einengung, Auseinandergehen undinnerer Zusammenhalt: Aufstreben und tierabsinken; Fortgehenund Unterbrechung der Bewegung, Absatz und neuer Ansatz;Zusammen- und Gegeneinanderwirken u. dergl. Alles dieskommt für uns in die räumlichen Formen auf Grund der Er-fahrung, letzten Endes derjenigen, die wir an oder in uns selbstgemacht haben. Zugleich ist es ein Ergebnis der Abstraktionaus allen möglichen konkreten Einzelerfahrungen. Diese innereLebendigkeit macht die Formen ästhetisch bedeutsam.

Demgemäfs ist auch, was ein räumliches Mannigfaltigezur ästhetischen Einheit macht, allemal eine einheitliche Weisesolcher Lebensbetätigung.

Diese aber kann nun mancherlei Seiten haben und man-cherlei verschiedene Momente in sich jschliefsen. Dann ent-spricht es dem Gesetze der Differenzierung, dafs diese Seitenoder Momente der Betätigung aufsereinander und zueinanderin Gegensatz treten. Diese Differenzierung ist eine ästhetische,wenn sie in der äufseren Erscheinung unmittelbar anschaulichgemacht ist.

Hiervon war schon im allgemeinen die Rede. Jetzt abersoll auf diese Differenzierung etwas näher eingegangen werden.