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Raumästhetik.
historisch herausgewachsen sei. Man hat versucht, diesglaublich zu machen. Man hat schliefslich aus einer einzigenNaturform alle möglichen geometrischen oder ornamentalenFormen abgeleitet.
Darin gab sich eine volle Verkennung des Sinnes dieserFormen kund. Um die allgemeinsten Bildungsgesetze der Naturaus einer bestimmten Form herauszulesen oder herauszulösen,mufs ich sie schon in meinem geistigen Besitz haben. Dasfierauslesen ist ebensowohl ein fiineinlesen. Diese allge-meinsten Bildungsgesetze müssen schon von mir aus der Be-obachtung verschiedener Formen und Geschehnisse in der Natur,aus den Erfahrungen an den Dingen, und schliefslich meinemeigenen Körper, abstrahiert sein.
Ebensowenig dürfen wir aber an den umgekehrten Wegder historischen Entwickelung glauben. Sondern das zeitlichErste ist zweifellos — weder das konkrete Einzelne in seinerindividuellen Bildung, noch das abstrakt Allgemeine, sonderndas Schematische, die Heraushebung allgemeiner, zufällig indie Augen fallender Grundzüge. Das aus wenigen Strichenund Punkten bestehende Männchen, das ein Kind mit demGriffel auf seine Schiefertafel zeichnet, kann dafür als Re-präsentant dienen.
Und von hier aus, so müssen wir annehmen, geht danndie geschichtliche Entwickelung der Formen nach den beideneinander entgegengesetzten Richtungen, nach der Richtung derimmer sichereren Auffassung des Individuellen einerseits, undnach der Richtung der reinen Heraushebung der in den ein-zelnen Formen gegebenen allgemeinen Formgesetzmäfsigkeitenandererseits.
So mufs zweifellos der Hergang der Entwickelung imGanzen gedacht werden. Ist die Entwickelung schon bis zueiner gewissen Grenze gediehen, so kann im Einzelnen derFortschritt geschehen vom abstrakten Gesetz zur Mannigfaltig-keit der individuellen Bildungen der Natur, und von dieser zujenem. Ein Linienspiel ist zunächst vielleicht nichts als ebenein Linienspiel; dann werden die Verzweigungen zu pflanz-lichen Verzweigungen; das Ende einer Linie wird zum Tier-