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Raumästhetik.
Linien als Träger von Bewegungen.
Die Antwort auf diese Frage scheint einfach, soweit diefraglichen Formen regelmäfsig sind. Man wird sagen: Dieregelmäfsigen Formen sind schön eben um ihrer Regelmäfsig-keit willen. Die gerade Linie etwa vermöge der Gleichheit derRichtung; die Kreislinie vermöge der überall gleichen Rich-tungsänderung u. s. w.
In der Tat nun wissen wir, Regelmäfsigkeit, d. h. gleichartigeWiederkehr des Gleichen, ist ein Grund des Lustgefühls. Aberum das Lustgefühl überhaupt handelt es sich hier nicht mehr,sondern um das ästhetische Lustgefühl. Es handelt sich umSchönheit. Und da fragt es sich, ob die geometrische Regel-märsigkeit als solche dieses ästhetische Lustgefühl begründet,oder ob sie es begründet als Ausdruck einer Regelmäfsigkeitoder Gesetzmäfsigkeit anderer Art.
Die gerade Linie AB verläuft, erstreckt sich, dehnt oderbreitet sich aus von A nach B, oder von B nach A, oder vonder Mitte nach beiden Enden. Sie tut das Eine oder dasAndere, je nach meiner Betrachtung. Wenn sie vertikal ist, sorichtet sie sich auf oder sinkt herab.
In solchen Wendungen schreiben wir der Linie Be-wegungen zu, und statuieren in ihr eine bewegende Tätigkeit.Wir tun dies, obgleich die Linie sichtbar in voller Ruhe ver-harrt, und wir von keiner Art von Tätigkeit etwas an ihr zubemerken vermögen.
Trotzdem scheinen uns solche Wendungen, indem wir siegebrauchen, nicht etwa widersinnig, so wie es uns widersinnigerscheinen würde, wenn man von einer mathematischen Formelsagte, sie sei wohlriechend, oder von einer schwarzen Fläche,sie sei weifs. Sondern wir halten dieselben, dem Augenscheinzum Trotz, für durchaus in der Ordnung und natürlich. Siescheinen uns völlig sachgemäß.
Oder sollte etwa, wie einige zu meinen scheinen, solchesReden von Bewegungen und räumlichen Tätigkeiten in dergeraden Linie nur einfach die Linie als ein Gebilde von einerDimension und überall gleicher Richtung charakterisieren ?