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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
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Achtes Kapitel: Einheit und Freiheit in der Natur.

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gemeiner Oberflächencharakter des Stammes, der Äste, derZweige, der Rinde. Es gehören dazu auch nicht irgendwelche Blätter und Früchte, sondern Eichblätter und Eicheln.Sie gehören dazu vermöge einer Gesetzmäfsigkeit der Natur.

Dies aber nicht in dem Sinne, als vermöchten wir aus unsbekannten allgemeinen Naturgesetzen zu erschliersen oder ab-zuleiten, dafs und warum die Grundformen der Blätter undFrüchte des Eichbaums nicht anders sein können, als sie essind. Sondern wir sehen nur eben, dafs sie so sind und immerso sind; Erfahrungen, die wir angesichts des Eichbaumes selbstgemacht haben, sagen uns, dafs Eichbäume tatsächlich Eich-blätter und Eicheln zu tragen pflegen, und nicht etwa Buchenblätter ['und Kürbisse. Die Gesetzmäfsigkeit der Natur, die wir hiervorfinden, ist also für uns nicht eine Gesetzmäfsigkeit imstrengen Sinn, d. h. nicht eine notwendige Gesetzmäfsigkeit.Sie ist ei ne empirische R egel, eineGewohnheit der Natur.

Ebensowenig, oder noch weniger,"vermögen wir aus Natur-gesetzen zu erschliefsen, warum am Eichbaum die Grundformder Blätter hier so, dort so modifiziert ist, warum das eineBlatt klein, das andere grofs ist, das eine diese, das anderejene Stellung hat. Hier walten nicht einmal empirische Regelnoder feststehende Gewohnheiten der Natur. Die Form, Gröfse,Stellung der Blätter im Einzelnen istzufällig. Aber ebendiese Zufälligkeiten gehören, ebenso wie jene festen Gewohn-heiten, zum Eichbaum.

Analoge Zufälligkeiten gehören aber für uns überall zu denGegenständen der Natur. Es gehört zum Gebirge, dafs es zu-fällig hier so, dort so sich erhebt oder verläuft, zum Bach, dafser zufällig hier so, dort so sich windet. Auch hier ist das-jenige, was die Zufälligkeit zum Naturobjekt gehörig erscheinenläfst, die Erfahrung.

Es gehören aber jene allgemeinen Gewohnheiten, undebenso diese Zufälligkeiten, zu den Naturobjekten auch in demSinne, dafs wir aus dem Wesen der Naturdinge und desNaturzusammenhanges verstehen, wiefern es dergleichen beiallen Naturobjekten geben müsse. Wir verstehen, wie dieGesetzmäfsigkeit in der Natur aus gewissen allgemeinen Be-