Siebentes Kapitel: Vom letzten Grunde der Einfühlung in Naturformen. 191
lebens notwendig zugehört. Dies affektive Moment nehme ichalso im Akt der Einfühlung in den Felsen mit hinein. Das Sich-aufrichten wird dadurch etwa ein stolzes, kühnes, oder dergl.Stolz und kühn also, nämlich so stolz und kühn, wie es einsolches Wollen und Vollbringen, ein Auftürmen solcher Massennaturgemäfs in sich schliefst, fühle ich mich in dem Felsen.
Solche nähere Bestimmung und zugleich Steigerung erfährtalso schlierslich mein eingefühltes Tun. Indem ich es einfühle,gestaltet es sich zugleich in solcher Weise um. Es ist erstunbestimmt, dann gewinnt es durch den Felsen Richtung undInhalt. Es erscheint andererseits als Ergebnis eines solcheninneren Verhaltens, wie es ein solcher Inhalt meiner eigenenNatur zufolge fordert. Und es erscheint dies Verhalten oderdies affektive Moment wiederum durch die Natur dieses In-haltes entsprechend gesteigert. Das Gesamtergebnis ist einProdukt dieser Wechselwirkung meiner und des objektiv Ge-gebenen. Es kommt zu stände durch solche wechselseitigeSteigerung und Bereicherung. Ich und der Fels wirken so auf-einander. So finde ich mich zuletzt in dem Felsen als einenganz Anderen, als ich in der ursprünglichen allgemeinen Ein-fühlung war. Mein ideelles Ich ist zu einem idealen geworden.Dies Wunder hat der Prozefs der Einfühlung vollbracht.
Zugleich ist doch dies Wunder kein Wunder, sondern eineuns aus dem alltäglichen Leben wohl bekannte und vertrauteSache. Wir kennen solche Wechselwirkung aus dem Verkehr vonPerson zu Person. Auch hier kann dieselbe ein solches Er-gebnis haben- Ich kann und soll im Zusammenleben mitAnderen, in der „Zwiesprache“, mich gesteigert und bereichertwiedergewinnen. Dies geschieht aber jederzeit auf dem Wegeder Einfühlung. Alle Wechselbeziehung eines Individuums miteinem anderen vollzieht sich in beständiger Einfühlung. Unddiese Einfühlung ist der gleichen Art, wie die Einfühlung inein Naturobjekt. Umgekehrt gesagt: Diese letztere ist eine„Zwiesprache“ zwischen mir und dem Objekt.
Ein Beispiel des Prozesses der Einfühlung in Naturobjektewurde hier gegeben. In analoger Weise vollzieht sich aberdieser Prozefs überall. Der Ausgangspunkt ist immer jene all-