114 Der Mensch und die Naturdinge.
verständlich geworden. Wir sehen aus dem ganzen übrigenGebaren des Hundes, dafs er aufmerksam oder freudig erregtist, und sehen ihn zugleich die Ohren spitzen bezw. mit demSchweif wedeln. Daraus wird uns der Sinn des Ohrenspitzensund Schweifwedeins verständlich. In ähnlicher Weise nunkönnte auch das Verständnis der Gebärde des Stolzes vonuns gewonnen worden sein.
Indessen dies empiristische Erklärungsprinzip ist nichtdurchführbar. Das Kind benimmt sich sehr bald gegenüberdem freundlichen Lächeln der Mutter so, date wir annehmenmüssen, es habe eine Art von dunklem Verständnis der darinsich kundgebenden freundlichen Absicht oder Gesinnung. Esgeht aber nicht an, dies etwa aus der Annahme zu erklären,das Kind habe aus vorangegangenen Handlungen, die vonsolchen Gebärden begleitet waren, — aus den Wohltaten,welche die Mutter dem Kinde mit freundlichem Blick erwies,— diese Absicht oder Gesinnung erschlossen.
Die Nachahmung.
Wie es aber hiermit bestellt sein mag, in jedem Falleweisen uns andere Tatsachen in andere Richtung.
Ich meine mit diesen die Tatsachen der, sei es unwill-kürlichen, sei es willkürlichen, Nachahmung. Wir ahmenunwillkürlich allerlei Grimassen nach, folgen unwillkürlich, seies auch nur andeutungsweise, den halsbrecherischen Leistungendes Akrobaten. Wir können andererseits willkürlich charakte-ristische Weisen anderer, sich zu halten, zu gehen, sich zubewegen, wiederholen, können willkürlich unserem Gesichteinen Ausdruck geben, den wir an anderen beobachtet haben.
Hier nun müssen wir zunächst wiederum sagen: Was unsbei solcher Nachahmung unmittelbar gegeben ist, was wir dem-nach bei unserer Nachahmung einzig als Vorbild haben, istein bestimmtes optisches Bild. Die Leistung dagegen, die wirvollbringen, besteht für uns in der Hervorbringung gewisserVorgänge in den Muskeln, Sehnen, Gelenken, endlich auch derHaut. Wir haben, kurz gesagt, von der vollbrachten eigenen