Fünftes Kapitel : Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 89
Unterordnung der künstlichen unter die natürlichenHauptpunkte.
Aber es ergibt sich aus dem bezeichneten Sachverhaltmehr als diese Spannung oder Stauung. Die gesteigerte Inten-sität der Auffassung kommt weiterhin dem natürlichenEinheits- und Ruhepunkte zu gute. Die gestaute Welle er-giefst sich in der Richtung auf diesen und läfst den natürlichenEinheitspunkt, also das, worauf das Ganze abzielt, bedeut-samer erscheinen.
Dafür besteht freilich eine Bedingung. Es ist die Bedingung,dafs von dem künstlichen Höhepunkte zum natürlichen Einheits-und Ruhepunkte ein natürlicher Weg führe, dafs die Auffassungs-tätigkeit, so wie sie aus dem einheitlichen Ganzen heraus zudem künstlichen Höhepunkte hingeführt wurde, nun auch wiedervon diesem aus, und durch ihn, zum Ruhepunkt hingeführtwerde. Hierin besteht die „Lösung“ der Spannung. Dieselbeist nicht das einfache Auftreten dessen, worin die Lösung voll-zogen ist, sondern sie besagt, dafs in dem Höhepunkte selbstdie treibende und führende Kraft liegt, durch die der Fortgangzum Punkte der Lösung gewonnen wird.
Damit ist nun aber auch wiederum eine neue Art der monar-chischen Unterordnung gegeben. Der künstliche Höhepunktordnet sich dem natürlichen Einheits- und Ruhepunkt unter.Er tut dies durch jenen Hinweis und jene hinführende Kraft.
So ordnet sich die musikalische Dissonanz in der Musikder sie lösenden Konsonanz, der Konflikt im Drama der Lösungdes Konfliktes unter. Auch in der Tragödie löst sich der Kon-flikt, obzwar nicht äufserlich. Und auch hier ist die Lösungeine Unterordnung, nämlich des Leidens unter das Positive,menschlich Bedeutsame und Wertvolle der Persönlichkeit, dieleidet. Die eigentliche „Lösung“ in der Tragödie besteht einzighierin.
Solche Unterordnung ist ihrer Natur nach immer eine freie,Die Herrschaft der künstlichen Höhepunkte ist eine despotische,sofern der Gegensatz zum Ganzen sie zu Höhepunkten macht.Aber diese despotisch herrschenden Elemente ordnen sich frei