Fünftes Kapitel: Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 81
letzten Grunde eben doch schlechthin Eines ist, eine an sichungeschiedene Einheit. Dies heifst: Jemehr die verschiedenenund sich ergänzenden, herrschenden, und aus der Masse herr-schend heraustretenden einzelnen Elemente hinsichtlich dessen,was sie vom Grundwesen des Ganzen ausprägen, zueinanderin Gegensatz stehen, und jedes an seiner Stelle das Ganze ineiner bestimmten Richtung, also eigenartig und, für sich be-trachtet, einseitig verdichten, desto mehr bedarf es des bedeut-samen Heraustretens eines schlechthin vereinheitlichenden unddurch das Ganze hindurchgehenden Momentes, das zur „Auf-lösung“ in die gesonderten Glieder die ungeschiedene Einheitdes Ganzen hinzufügt.
Dies kann wiederum ein Mehrfaches heifsen. Einmal: — Dieungeschiedene Einheit des Ganzen bleibt in den Gliedern selbstmehr oder minder bestehen. Dieselben prägen zwar jeder fürsich das Ganze einseitig und nach verschiedenen Richtungenaus, aber doch nicht absolut einseitig oder mit möglichsterEinseitigkeit. Sondern es kommt in ihrer selbständigenBildung zugleich auch die ungeschiedene Einheit zu ihremRechte. Es ist nur in jedem der Glieder eine Seite imGrundwesen des Ganzen, etwa eine Betätigungsrichtung oderFunktion, die im Ganzen liegt, zur herrschenden gemacht;die anderen sind ihr — im Sinne der „immanenten“ monar-chischen Unterordnung — untergeordnet. Hier bleibt in denGliedern selbst die „Masse“ erhalten.
Eine andere Weise ist diese: Es sind in den Gliedern dieverschiedenen Seiten im Grundwesen des Ganzen möglichsteinseitig und charakteristisch ausgeprägt. Zugleich aber kommtin der Weise der Verbindung der Glieder, in ihrem Zu-sammenhang, ihrem Auseinandergehen und Gegeneinander-wirken, in überleitenden Formen, die ungeschiedene Einheit zurGeltung. Auch darin ist dann die „Masse“ repräsentiert.
Und neben diesen Möglichkeiten des bedeutsamen Heraus-tretens der „Masse“ steht dann jene vorhin schon angedeutete,dafs die „Masse“ im engeren Sinne heraustritt und für sichzur Geltung kommt, d. h. dafs die ungeschiedene Einheit,woraus die Glieder heraustreten, und die in diesen da so,
Lipps, Ästhetik. 6