Fünftes Kapitel: Die monarchische Unterordnung und das ästhet. Ganze. 77
stehen, und Gegenstand höchster Befriedigung sein, ohne alsGanzes monarchisch verfafst zu sein.
Wir sind, so erinnert man sich, in dieser ganzen Darlegungausgegangen vom Prinzip der qualitativen Einheitlichkeit inder Mannigfaltigkeit. Dies war das fundamentale ästhetischePrinzip. Dazu trat das Prinzip der monarchischen Unterordnungals ein Hilfsprinzip, ein Prinzip der Steigerung der Einheit.
Als solches nun müssen wir fortfahren, es zu betrachten.Die einzige unerläfsliche Bedingung für den Bestand einesästhetischen Ganzen bleibt die qualitative Einheitlichkeit,das apperzeptiv heraus hebba re Gemeinsame, das Grundgesetz,die Grundform, der Grundgedanke, der Grundrhythmus; unddie Differenzierung.
Dies besagt beispielsweise, dafs es recht wohl bei demeinfachen Gegenüber zweier im Ganzen herrschenden Elemente,die sich das Gleichgewicht halten, und zwischen denen dasGanze schwebt, bleiben kann, sofern jene qualitative Einheit-lichkeit dabei gewahrt bleibt. Es kann aber weiterhin, unterder gleichen Voraussetzung, das Ganze auch an viele herr-schende Elemente sozusagen verteilt erscheinen. Und jedesmalkönnen dabei die verschiedenen herrschenden Elemente ein-ander durchaus koordiniert sein.
Die qualitative Einheitlichkeit bleibt aber in solchen Fällennicht nur gewahrt, sondern sie wird verstärkt, wenn in denherrschenden Elementen die Unterordnung unter das Gemein-same wiederkehrt. Diese Elemente erscheinen dann als dieeigentlichen Träger des Gemeinsamen. Und es gelangt in ihnen,eben weil sie herrschende Elemente sind, das Gemeinsame,die Grundform, das Grundgesetz, der Grundrhythmus, der„Grundgedanke“ des Ganzen zu spezifischer und verstärkterAusprägung. Gleichzeitig sind sie die obersten Träger derDifferenzierung des Gemeinsamen.
Man denke hier wiederum etwa an die mehreren einandergleichen oder relativ gleichwertigen Betonungen, die in der ein-heitlichen rhythmischen Reihe sich folgen, oder an die in gleichenIntervallen sich folgenden gleichen Türme einer Mauer, oder dievielen koordinierten Spitzen des gotischen Baues. Da und dort,