Zweites Kapitel: Gesetz der Einheitlichkeit.
25
dem die qualitative Einheitlichkeit eignet, selbst. Der daraufsich gründende Wert ist Eigenwert.
Das Gesetz der qualitativen Einheitlichkeit nun müssen wirzunächst doppelt formulieren. Dasselbe hat zwei Seiten. Esist ein Gesetz der simultanen und ein Gesetz der sukzessivenEinheitlichkeit. Jenes besagt: 1st die Seele in einem Momentin einer bestimmten Weise der Betätigung begriffen, so bestehtfür sie die Tendenz in eben diesem Momente auch aufserdemin gleicher Weise sich zu betätigen. Oder kürzer gesagt: JedeWeise der psychischen Betätigung hat die Tendenz sich überdie ganze Psyche auszubreiten. Dagegen besagt das Gesetz derEinheitlichkeit, als Gesetz der sukzessiven Einheitlichkeit: Mitjeder Weise der psychischen Betätigung verbindet sich dieTendenz des Fortganges zu gleichartiger Betätigung.
Oder, wenn wir beide Gesetze in einen einzigen Ausdruckzusammenfassen: Mit jeder bestimmten Weise der Betätigungder Seele ist die Tendenz verbunden, sich auszubreiten in derdoppelten Richtung, des zeitlichen Nebeneinander und des un-mittelbaren zeitlichen Nacheinander.
Fragen wir nun hier gleich, wie diese beiden Seiten desGesetzes der qualitativen Einheitlichkeit als ästhetische Ge-setze sich zueinander verhalten. Dieselben kommen einerseitsnebeneinander ästhetisch in Betracht. Es gibt nun einmalnebeneinander die beiden grundsätzlich verschiedenen Möglich-keiten, dars ein ästhetisches Objekt simultan gegeben ist, unddafs es sukzessiv entsteht. Neben der gleichzeitig gegebenenReihe gleicher Elemente, etwa dem schon erwähnten Astragal,steht die Folge gleicher Elemente, etwa die Folge gleicher undnach dem gleichen Gesetze gegliederter Takteinheiten. Unddort beruht die Wohlgefälligkeit auf der Gleichartigkeit dessimultan Gegebenen, hier auf der Gleichartigkeit des zeitlichsich Folgenden.
Andererseits aber stehen diese beiden Gesetze hinsichtlichihrer Wirkung auch wiederum nicht nebeneinander. Ich sagte,ein ästhetisches Objekt sei simultan gegeben, oder es „entstehe“in der Zeit. Dies Entstehen nun ist nicht ein Kommen undGehen, sondern es ist ein Hinzutreten von Elementen zu