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Deutsche Rechtssprichwörter
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Dies bezieht sich zunächst freilich nur auf Wohldieuer und Zwischen-träger, von welchen große Herren zu allen Zeiten umlagert wurden. Gleich-wohl ist es richtig, daß Gewalthaber wirklich überall Augen haben sollen,um das Beste zu erkennen, und Ohren, um die Wünsche und Bedürfnissedes Volkes zu vernehmen. (282)

Weisheit muß mit zu Thron sitzen, sollen nicht Land und Leute verderben;denn wenn der Kopf ein Narr ist, muß es der ganze Leib entgelten und dieStreiche der Gewaltigen fallen auf die armen Unterlhanen.") (283—291)

Selbstverständlich kann der Fürst nicht überall zugleich sein und Allesregeln; damit würde der Landesherr wirklich zum Landes-Esel, wie ein be-quemer Regent bemerkte''); denn wer Alles verfechten wollte, dürfte nie seinSchwert einstecken. °) Die unbedeutendsten Herrscher waren meist diejenigen,welche jede Kleinigkeit mit eigenen Augen sehen, überall mit eigener Handeingreifen wollten, weil sie darüber die großen weltbewegenden Fragen ganzübersahen oder nur halbwegs begriffen.

Wo die Behörden in vernünftiger Weise einmal geregelt sind, wirkensie vermöge ihrer inneren Lebensfähigkeit auch ohne äußeren Antrieb natur-gemäß fort und solang dies geschieht, ist die Geschäftigkeit der Oberaufsichtüberflüssig (293).

Freilich, wenn alle Aufsicht aufhört, schießt der Schlendrian in dieHalme, alle Wächter der Ordnung verfallen in süßen Schlummer (294),während dessen allzeit wachsame Schwindler das Land aussaugen, bis sich dasVolk anfrafft und den Schlafenden ein überraschendes Erwachen bereitet.

Auf der andern Seite darf die Aufsicht nicht ins Kleinliche, bis aufdie häuslichen Verhältnisse der Familien gehen, was gerade den bestgesinntenHerren nicht genug vorgehalten werden kann. (295) Schon der Wille zuwissen, was im Hanse der Bürger vorgeht, entwürdigt den Fürsten und sehtihn in Gefahr, sich bald mit Ohrenbläsern und Verläumdern umgeben zusehen und dadurch die Liebe und das Vertrauen seines Volkes zu verlieren:Geht dies vollends soweit, daß der Landesherr sogar jede Heirath oder an-dere Angelegenheit seiner Unterthanen beeinflußen und bevormunden will, soleidet die bürgerliche Freiheit in so erheblichem Grade, daß,bald Jedermannscheu wird in einem solchen Lande zu wohnen^):

„Es ist ein Ziel, Maß und Gestalt,

Wie man sich in jeder Sache halt.")

Wer aber, unbekümmert um die Liebe und das Vertrauen seines Vol-

s) Buch der Könige 181, 37: „äer nnAsierts vürsts üer Ist an äein sinneei» esol". b) Putter I 322. e) Nechlssp. 4. ä) Pütter I 348. e) Rcchtssp.Vorr.