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Treuschafts-Verhältniß zu seiner Herrschaft, in deren Hause er gleichsam eineneue Heimath gefunden; nicht ein Diener blos, auch ein Angehöriger derFamilie, wenn auch in untergeordnetem Grade soll er sein und darob desFamilienhauptes Recht und Vorthcil in allen Dingen getreulich wahr-nehmen, wie das Sprichwort sagt: „Deß Brod wir essen, deß Liedlein sin-gen wir".
Dieser Grundsatz scheint so natürlich, daß fast in allen neuern Gesetzendas Zeugniß des Dienstboten vor Gericht, soferne es zu Gunsten des Brod-herrn abgelegt wird, von Haus aus schon von geringerer Beweiskraft ist, alsjenes eines Dritten völlig Unbetheiligten.
Dieses schöne Band zwischen Haupt und Diener in der Familie warvor Zeiten mit sittlicher Strenge geachtet und gewahrt; und wahrlich nichtzum Vortheile des Familien- und Gesindelebens und der moralischen Kraftdes Volkes ist im Laufe der neuern Zeit dieses Band gelockert, ja vielfachganz gelöst worden.
Wo die Händekraft allein den Maßstab für den Werth des Dienst-boten bietet, da tritt seine Lieb und Treu zu einer ihm fremd bleibendenHerrschaft nie hervor; gleich seinem Herrn erkennt er in dem eingegaugenenDienstverhältnisse nur den Eigennutz und seine Wirkung, und thut Alles, umden Reimspruch wahr zu machen:
„Was der Pflug gewinnt,
Frißt das Gesind".")
Nicht so ehedem:
„Es war der treue Dienst der alten Welt,
Da Dienst um Pflicht sich mühte, nicht um Lohn";")da nahm der Dienstbote noch Theil am gemeinsamen Tische mit der Herr-schaft, in deren Familienkreis im weiteren Sinne er miteingerechnet war;denn nicht die bestehende Vertragspflicht, sondern in weit überwiegendemMaße die hausväterliche Sorgfalt des Familienhauptes war es, die auch ihnumfaßte und aus Gefühlen natürlicher Dankbarkeit in ihm ein lebhaftesInteresse an dem Wohl und Wehe seiner Dienstherrschaft erweckte. Untersolchen Umständen mag es auch nicht selten gewesen sein, daß ein Dienstbotetreu und ehrlich seine ganze Lebenszeit in gleichem Dienste zubrachte, hiefüraber auch am Abende seines Lebens eine bleibende Stätte in dem Schoßeder dankbaren Familie fand, der er seine ganze Lebenskraft gewidmet hatte.Auf die augenfälligen Vorthcile, welche aus einem lange andauernden Dienst-verhältnisse für beide Theile hervorgehen, weiset auch der Spruch:
s) Kreittmayr S. 16b. 6) Körte. S. 66.