Der Müller mit der Metze,
Der Bäcker mit der Bretze,
Der Schneider mit der Scheer,
Wo kommen die drei Diebe her?
Der Müller ist fromm, der Haare auf den Zähnen hat.
Müller, Schneider und Weber werden nicht gehenkt, das Handwerkginge sonst aus.
Neun Ellen Tuch geben ein Paar Handschuhe, wenn der Schneiderkein Schelm ist. Betrug ist der Krämer Acker und Pflug.
An der Hunde Hinken,
An der Huren Winken,
An der Weiber ZährenUnd der Krämer schwören,
Soll sich Niemand kehren,
Denn Krämer schwören um Geld,
Weiber weinen, wenu's ihnen gefällt w.
2) Weitere Folge der Freiheit ist die Wasfenfähigkeit.
Ein tapferer Mann ist der Schild seiner Magen, der jede nahendeUnbill abhält, das Schwert, das jede erlittene rächt; jeder Einzelne erachtetesich so selbständig frei, als ein Staat; jede Beleidigung, absichtlich zugefügtoder nicht, hatte den Krieg der ganzen Familie des Beleidigten gegen diedes Beleidigers zur Folge, von einem richterlichen Bescheide konnte nicht dieRede sein, nur Friedensschluß vermochte die Fehde beizulegen.")
Doch ist es unwahrscheinlich und mit lebhaftem Ehrgefühle unvereinbar,daß auch ganz geringfügige Verletzungen die Familien in die Waffen riefen;nur Friedensbrüche nicht schon bloße Rechtsbrüche berechtigten zur Fehde.'')
Gewiß ist aber, daß die Fehde und beziehungsweise die Verschiedenheitder hiezu verwendbaren Kräfte, die Quelle des verschiedenen Wergeldes bil-det, da mit diesem eben die Fehde weggekauft werden will.
„Kauf den Speer dir von der Seite oder trag ihn".
Es versteht sich zunächst nur von todtcm Halse, kömmt aber jedemWaffenfähigen ohne Rücksicht des Standes zu.
Der Eigeumann hat kein Wergcld, weil er keine Waffe, keine Fehde
->) „Er lebt wie ein Neichsstädtchen"; noch im Jahre 1483 wurde über einenTodtschlag ein Vergleich abgeschlossen, Blumer I 397. t>) Kampfbare Wunden imSinne des Sachsenspiegels. — Der Vater muß bei der Erbtheilung jedem seinerSöhne drei Mark, einen Schild, einen Speer und ein Schwert geben, Schlesw.Th. lO (27) Flensb. Th. 1 (56)