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2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
356
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856 Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Es finden viele Privatverhandlungen unter den Fraktionsgenossen statt.Gestern Abend war eine Versammlung der Magdeburger (Schutzzöllner) und An-gehöriger der Bennigsen'schen Gruppe. Das Ergebnis der Berathung der letzterenist mir noch unbekannt. Gestern stand die Sache nach Mitteilungen Marqnardsen'san Römer so: In der Fraktionssitznng von heute Abend soll der Antrag Laster,die Fraktionsfrage jetzt schon zu stellen, abgelehnt werden. Ob dann der linkeFlügel anstritt, ist mir unwahrscheinlich. Die Gruppe Bennigsen würde den Aus-tritt einiger Führer der Linken wohl nicht ungern sehen, allein den Entschluß zuaktivem Vorgehen gegen dieselben scheint Bennigsen nicht fassen zu können. Viel-mehr will er, sobald das Plenum den Franckenstein'schen Antrag angenommenhat, selbst dasNein" gegen das Gesetz zur Fraktionssache gemacht wissen.Damit würde ein Teil des rechten Flügels u. a. auch ich aus der Fraktion ge-drängt. Wir schätzen aber die Zahl nur auf 1012. Auch bei der Besprechungvon gestern Abend waren manche noch zurückhaltend. Austreten würden etwa:Völk, Römer, Klein, Servais, Kreutz, Rentzsch, Bauer, Feustel, Vopel und ich;voraussichtlich auch Schanß und der eine oder andere mehr. Wir einigten unsin Anwesenheit von etwa 17 gegen die Stellung der Fraktion: frage in derFraktion zu stimmen. Deren Bejahung bedarf ^/g der Anwesenden. Da nunetwa 28 Nationalliberale zu den sog. Schutzzöllnern gehören, die Gruppe Treitschkeaus etwa 5 Mitgliedern bestehend ausgesprochen gegen die Linke ist und unsderselben nicht wird preisgeben wollen, so haben wir die Hoffnung, daß' selbstein solcher Antrag von Bennigsen nicht die nötige Mehrheit finden werde.Die Anhänger Bennigsen's mahnen uns für heute Abend zur Zurückhaltung.

Berlin, den 5. Juli 1879.

Stephani stellte offenbar unter Rücksprache mit andern Freunden derMittelpartei einen Antrag dahin: 1. Der Franckenstein'sche Antrag ist abzulehnen.2. Mit demselben ist das Gesetz unannehmbar. Dieser Beschluß soll ein feier-licher, aber kein etwaige Dissidenten zwingender sein. Er hielt eine schöne Redeüber Einigkeit u. s. w.

Völk und ich erwidern. Eine Verpflichtung gegen das Gesetz zu stimmenmit dem Franckenstein'schen Antrag könnten wir nicht übernehmen; wir heben dieGründe hervor, warum uns der gedachte Antrag nicht so gar bedenklich erscheine.In wichtigen Dingen müßten wir nach eigener gewissenhafter Überzeugungstimmen bei aller Achtung vor der Ansicht der politischen Partei. Ich erhebemich insbesondere gegen Bamberger, der zwischen Völk und mir sprach und ans-führte, Bismarck habe sich seit Jahr und Tag von seiner früheren Haltung ab-gewendet; seine Regierung sei schädlich, zu bekämpfen ü u. s. w., wir seien mittenin der Reaktion. Ich führe dagegen aus, in allem wesentlichen seien wir bis-her mit Bismarck gegangen, Fehler und Angriffe seien von beiden Seiten vor-

9 Vergl. diePost" 1879, Nr. 194 (Parole der großen liberalen Partei: Fort mit Bis-marck) ; Nr. 208 (Die nationalliberale Partei in der Opposition).