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Die XI. preußische Legislatur-Periode
ein Mißmuth gegen die Manieren unserer norddeutschen Parteigenossen geltend.Seitdem wir aber einige Male derb und grob waren, sind sie geschmeidiger.Es ist ein eigener Charakterzng, daß unsere süddeutsche Gutmnthigkeit und Be-scheidenheit sie zum tlbermnthe reizt. Festem Auftreten tragen sie Rechnung.In der Bndgetkommission bin ich letzthin in einer wnrttembergischen Angelegen-heit gegen die absprechende Manier des Regiernngskommifsars, GeheimrathMichaelis sackgrob geworden. Seitdem ist derselbe äußerst artig und freundlich,er redet mich privatim an, was er früher nie that. Die Norddeutschen kämpfenmit spitzigen Stichen: wir mit Knütteln. Das ist ihnen neu, es thnt aber denDienst.
IX. Abschnitt.
Ais XI. prrussrsrhL KsgiskAtlN'-Fsriads.
(14. Dezember 1870—5. Oktober 1873.) st
Das Ergebnis der Neuwahlen veränderte die bisherigen Parteiverhältnisfe imAbgeordnetenhause nicht in nennenswerter Weise. Die Konservativen und Freikon-servativen (171) büßten zwei Mandate ein, die Nationalliberalen erreichten die-selbe Zahl wie im letzten Hause (99), die Fortschrittspartei (43) verlor 4 Mit-glieder; dafür mußte aber das linke Centrum beinahe die Hälfte seiner Mandatean die Klerikalen st abgeben.
Nach der Unterbrechung durch die Kriegszeit 1870/71 wurde mit einigenModifikationen (Wegfall der sogenannten Höchstbegüterten in der Kreisvertretnng,Verkleinerung der Amtsbezirke u. a.) der Entwurf der neuen Kreisordnungwährend der Landtags-Session 1871/72 dem neugewählten Abgeordnetenhausewieder vorgelegt und fand im wesentlichen entgegenkommende Ausnahme.
Die zu seiner Vorberatung eingesetzte Kommission verteilte das Referat in4 Abteilungen, von denen vr. Friedenthal eine erhielt. Derselbe hatte schließlichals Gesamtreferent den allgemeinen Teil der Kommissions-Beschlüsse vor demPlenum zu rechtfertigen.
st Es währte die I. Session vom 14. Dezember 1870—17. Februar 1871, die II. Sessionvom 27. November 1871—1. November 1872, die III. Session vom 12. November 1872—5. Oktober 1873.
st Der ehemalige Rundschauer der „Kreuzzeitung", De. Ernst von Gerlach, Appellations-gerichts-Chef-Prasident in Magdeburg, wurde am 15. Januar 1873 in dem katholischen West-kreise Mühlheim a. d. R. zum Mitglied des Abgeordnetenhauses gewählt und trat, obgleichProtestant, sofort dem Centrum bei. In der Sitzung vom 17. Dezember 1873 geriet er mitBismarck scliars aneinander. Vergl. die Broschüre: „Die Civilehe und der Reichskanzler." VomVerfasser der Rundschauen. Mit einein Anhänge, enthaltend die Rede des Verfassers und deSReichskanzlers im Abgeordnetenhanse am 17. Dezember 1873. Berlin, v. Mnyden. 1874 gr. 8.(55 Seiten.)