1879
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werde wegen bloßer Doktrinen preisgegeben. Die Schmälerung der Reichsstellungsei nur eine formelle, scheinbare; für Konfliktsfälle mit der Reichsregierung werdedurch Zuweisung der Gelder an die Einzelstaaten eine gewisse Garantie in denLandesvertretungen gewonnen. Die Rücksicht auf die Fraktion ist mir eine unter-geordnete, obgleich ich nnt nur wenigen nicht austreten möchte. Mittwoch Abendneige ich mehr zu „Nein", halte dies auch gestern noch fest; heute bin ich mehrfür „Ja". Erörterung der Sache mit vielen Kollegen, auch mit einem Mitgliedder sreikonservativen Partei. Letzterer meint, auch ihm sei die Lage sehr un-angenehm, schließlich aber brauche man nicht kaiserlicher zu sein als der Kaiserund Bismarck. Wie wird die Sache im Lande von den Wählern, von den Partei-genossen ausgenommen werden?
Gestern Abend Besprechung der Sache im Kreise der Zolldissidenten im HotelMagdeburg; Ansichten geteilt, jeder behält seinen letzten Entschluß vor. Dieentfernte Möglichkeit einer schließlichen Wendung der Dinge sei noch vorhanden.Zu „Ja" neigen sich: Völk, Schauß, Servais, zu „Nein": Bernuth, Hammacher.Anwesend sind 17; Zinn und Buhl fehlen.
Heute Morgen höre ich, Bennigsen mache noch Versuche, der Sache eineWendung zum Bessern zu geben. So viel scheint mir sicher, daß aus eine Quo-tifierung jedenfalls verzichtet werden müßte. Im übrigen scheint mir Bennigsenauf seinen Vorschlägen ziemlich festgenagelt. Gestern Abend wurden begründeteKlagen erhoben, daß Bennigsen mit niemandem, mindestens mit niemandemunserer Unterfraktion Rücksprache nehme. —
Ich schalte hier einen Brief ein, den der Abgeordnete Hölder an seinen altenFraktionsgenossen Elben, den Redakteur des „Schwäbischen Merkur" richtete,um denselben über die Sachlage im Reichstag zn informieren. Derselbe lautet:
Berlin, den 2. Juli 1879.
Lieber Freund!
Deinen Brief vom 30. v. M. habe ich heute früh erhalten. Die Lage isteine verschobene. Wir konnten hoffen, daß Bennigsen bezüglich der konstitutionellenGarantien sich mit Bismarck verständige und daß dann der linke Flügel derPartei austreten werde. Diese Hoffnung scheiterte, wie Bennigsen in der gestrigenFraktionssitzung, der ersten seit Wochen, darlegte, lediglich an den Zahlen. Weilbei uns immerhin 30—40 voraussichtlich doch gegen das Gesetz gestimmt hätten,konnte Bennigsen dem Reichskanzler nicht so viel Stimmen garantieren, als zueiner Mehrheit ohne das Centrum nöthig war. Da wendete sich der Reichs-kanzler als absoluter Realpolitiker ruhig an das Centrum. Bennigsen, Bendau. s. w. sind nur an den Antrag des ersteren gebunden und werden, wenn dieSituation sich nicht ändert, wozu keine große Aussicht ist, gegen das Gesetzstimmen. Sie müssen natürlich wünschen, daß die Fraktion dies geschlossenthue. Völk, ich und etwa 10 andere (die Zahl gerechnet ohne den politischrechten Flügel, Treitschke u. s. w.) legen dem Franckenstein'schen Antrag keine sogroße Bedeutung bei; Völk und die meisten andern unter jenem Dutzend neigen
Poschinger, Fürst B'Smarck u. die Parlamentarier. II. 23