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2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
346
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"46 Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Die Folge davon ist, daß die Konservativen und das Centrnm im Bundeneuerdings bei den Vorstandswahlen in der Tarif- und Tabak-Kommission dieNationalliberalen, insbesondere Bennigsen, ganz übergangen haben. Bennigsenwird sich bald zwischen dem rechten und linken Flügel entscheiden müssen.

Die Freihändler der Fraktion bis herein gegen die Mitte (30 bis 40) haltennun auch besondere Beratungen ab. Die Dinge treiben vorwärts. Die Tabak-steuer-Kommission hat mit Schutzzoll und Freihandel so gut wie nichts zu thnn.Die Fraktion wählte aber doch von unsrer Gruppe nur Buhl und Groß undbeseitigte Servais.

Gestern sprach ich auch mit Schund über Parteiverhältnisse. Auch er be-schwert sich über Eigenmächtigkeit des Vorstandes seiner Fraktion') und tadelt,daß die Konservativen bei den Abteilungswahlen statt mit Bennigsen mit demCentrum gehen. Er ist mit mir darüber einverstanden, daß die Bildung einerneuen Fraktion zwischen den Nationalliberalen und den Freikonservativen mitmehr süddeutscher resp. mittelstaatlicher Zusammensetzung und Leitung erwünschtwäre.

Abends sprach ich einen Landtagsabgeordneten aus Hannover. Wir fandenuns in den Anschauungen über die Parteimißstände und die Fehler Bennigsen'seinig. Auch in Hannover schade das Auftreten Lasker's und seiner näherenFreunde der nationalliberalen Partei sehr. Bismarck sei auch dort bei den Na-tionalliberalen eine dominierende Autorität und er habe Bennigsen schon oft ge-raten, Lasker mehr im Zaum zu halten oder ihn abznschütteln.

Berlin, den 17. Mai 1879.

Gestern fand in der Zolltariffrage die erste wichtigere lind zwar namentlicheAbstimmung statt. Die sogenannten Schntzzöllner erlangten eine Mehrheit vonweit über ^/z. Von den Nationalliberalen stimmten etwa 34 für den Schutzzoll,darunter Bennigsen. Damit ist ein gutes Prognostikum für die Durchführungder Sache gewonnen. Wie es schließlich mit dem Bestand der nationalliberalenFraktion aussehen wird, steht dahin. Mir wäre es am liebsten, wenn die äußersteLinke austreten würde.

Heute Abend hat Bismarck wieder zu einer Soiree eingeladen, zu der ichvielleicht gehe.

Berlin, den 20. Mai 1879.

Die Situation im Reichstag ist eine verworrene. Eben hat Forckenbeckseine Stelle als Präsident des Reichstags niedergelegt. Er hatte aus Veranlassungdes Städtetags gegen die Reichstagsmehrheit offen Partei genommen. Da konntejener Schritt nicht ausbleiben. Wer wird gewählt werden? Bennigsen hätteAussicht; aber er will nicht. Man bauscht hier die Zollfrage zu einer Fragedes Liberalismus auf. Bennigsen steht in der Fraktion zwischen dem rechtenund linken Flügel, zur Zeit noch unentschlossen und vermittelnd, aber mit sicht-barer Hinneigung nach links. Es treibt zu einer Entscheidung und ich bin be-

') 8eil. der Reichspartei.