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2 (1895) 1847 - 1879
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1879

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Partei: man sei sehr aufgebracht gegen Moste und habe beschlossen, ihm denfreiwilligen Austritt nahe zu legen. Wir sind der Ansicht, daß eine solch' leiden-schaftliche Behandlung der Sache nicht zu dulden sei. Wird dieselbe bei derFraktion anhängig, so verlangen wir eine ruhige, unbefangene Prüfung desGanzen incl. etwaiger ungeeigneter Ausschreitungen einzelner Fraktiousgenossengegen Mosle. Volk wird beauftragt, diese unsere Ansicht dem Vorstand init-zutheilen. Am Samstag erfuhren wir sodann, daß Mosle den freiwilligen Aus-tritt abgelehnt und der Vorstand beschlossen habe, von sich aus nichts weitergegen ihn zu thuu. Die Hitzköpfe werden Wasser unter ihren Wein gießen und sichhüten, die Gegensätze bei einer bedenklichen Persoualsrage zum Platzen zu bringen.

Freundschaftliche aber berechnete Besprechungen mit Blum und Marquardsenbei Siechen über die Kommissionswahl und den Fall Mosle. Es gilt, denHerren klar zu machen, daß eine starke Minderheit die herkömmliche oligarchischeBeherrschung der Fraktion sich nicht mehr gefallen lassen will.

Römer teilt mir in der Sitzung mit, der Vorstand der natioualliberalenFraktion halte daran fest, den schutzzöllnerischeu Separatisten von den 8 Tarif-Konnnissionsmitgliedern der Natioualliberalen nur 2 (Hammacher und Schauß,nicht auch Buhl) statt der verlangten 3 zu gewähren. Die Unbilligkeit desVorschlags läge, da wir nicht über 25 zuverlässige Mitglieder zählen, nichthierin, sondern in der Aufnahme von 3—4 absoluten Freihändlern in der Kom-mission (Delbrück, Rickert, Bamberger, Oechelhäuser), während letztere im Gegen-satz zu Bennigsen und Genossen nur etwa 22 Mitglieder zählen. Von derGruppe Bennigsen wäre nur er selbst und Beuda in Vorschlag. Allein Bennigsenist damit wie es scheint zufrieden. Er hat eben zu spät seine Stellung genommen,um noch Dank dafür zu ernten. Ich höre, daß die Konservativen und dasCentrum, die in der Kommission die Mehrheit haben werden, ihn weder zumVorsitzenden noch zu dessen Stellvertreter wählen, sondern diese Stellen aus ihrenReihen besetzen wollen. Dies könnte Bennigsen wieder nach links drängen.

Mit Gneist habe ich über die Parteiverhältuisse gesprochen. Er ist gegeneine Trennung. Ihn möchte ich mit seinen Genossen auch nicht in einer neuenFraktion mit haben.

Berlin, den 15. Mai 1879. Donnerstag.

Dienstag Fraktionssitzung über die Entsendung der Parteigenossen indie Tarifkommission. Das bei dem oben erwähnten Vorschläge unterlaufendeMißverhältnis hebe ich in der Sitzung hervor, trete übrigens dem Antrag aufAnnahme der vorgeschlagenen Liste per Akklamation bei.

Bennigsen giebt der linken Seite der Fraktion viel zu sehr nach; schadetdamit der letzteren und am Ende sich selbst. Hieraus erklärt sich der Mißstand,daß die uationalliberale (Berliner) Presse und die Reden im Reichstag (Lasker,Rickert, Bamberger, Braun re.) sich viel oppositioneller ausnehmen, als es derAnsicht der Mehrheit entspricht. Bei minder wichtigen Dingen läßt Bennigsendiese Oligarchie gewähren, bei Hauptsachen (Sozialistengesetz, Zolltarif) nimmter seine versöhnende Haltung, welcher die Mehrheit folgt, zu spät ein.