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2 (1895) 1847 - 1879
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Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Wirtschaftspolitik des Kanzlers im Jahre 1879 ^), als eine etwas zu idealistischeAbneigung gegen jede Vertretung bestimmter einseitiger Wirtschastsinteressendurch politische Parteien. Er hielt es schlechthin für verderblich für das politischeLeben, wenn der Maßstab für den Patriotismus der Partei oder des einzelnenan deren wirtschaftliche Überzengungen angelegt werden sollte. Diese Gefahrglaubte er durch die Art, wie die Tarifresorm eingeführt wurde, herausbeschworen,und er hielt es für seine Pflicht, davor zu warnen.

Auch die sogenannte olausula Franckenstein bekämpfte Beseler lebhaft, weiler glaubte, daß die Finanzhoheit des Reichs dadurch verloren gehe. Bismarckhielt diese Annahme vollständig für unbegründet und er wiederlegte die Ansichtausführlich, weil sie von einem Abgeordneten (Beseler) ansging, „auf dessen Mit-wirkung ich seit langer Zeit habe rechnen können, und den ich persönlich hoch-schätze und verehre." (9. Juli 1879, Stenographischer Bericht S. 2194.)

Bismarck fühlte sich jedoch durch Beseler's Auftreten nicht verletzt, er be-grüßte ihn vielmehr, nachdem Beseler im Reichstag ausführlich gesprochen, mitden freundlichen Worten: „Kommen Sie her, alter Kriegskamerad, geben Siemir die Hand!" Beseler verfolgte übrigens seine Opposition nicht weiter, sondernbeteiligte sich, nach Wahrnehmung seines prinzipiellen Standpunkts, nicht mehrau den Debatten, da ihm das Technische der wirtschaftlichen Fragen fern lag.Auch schied er bald ganz aus dem Reichstage aus.

Ein andres Mitglied der nationalliberalen Partei, welches in der Tariffragemarkant hervortrat, war der Abgeordnete für Bremen, Alexander GeorgMosle-fl. Derselbe stand schon seit dem Jahre 1871 mit dem Kanzler in Kor-respondenz ch, und seine Vaterstadt freute sich über seine guten Beziehungen zu

9 Vergl. besonders die Rede Beseler's am 24. Juni 1879, Stenographischer Bericht desReichstags S. 1810.

2) Wir kommen darauf weiter unten zurück.

3) Mosle, Alexander Georg, Kaufmann (Finna Mosle u. Co.) iu Bremen. Geborenden 8. September 1827 (protestantisch). Reiste 1848 über England nach Brasilien, war daselbstbis 1862 in Rio de Janeiro etabliert und General-Konsul der freien Hansestadt Bremen für Bra-silien. Seit 1863 in Bremen etabliert. Mitglied und Vize-Präsident des bleibenden Ausschussesdes Deutschen Handelstages. Vorsitzender der geographischen Gesellschaft in Bremen (früherVerein für Nordpolarfahrt). Nationalliberal.

-*) Schreiben Bismarck's an Mosle als Vorsitzenden des Vereins für die deutsche Nord-polexpeditiou ä. ä. Versailles, den 19. Februar 187l, abgedruckt iu meinen „Bismarck-Briefen,"Neue Folge Bd. II, S. 61. Ein an den Abgeordneten Mosle gerichtetes Schreiben Bismarck'sä. cl. 1. Februar 1874 (Dank für telegraphisch ausgesprochene freundliche Gesinnungen) findetsich abgedruckt in der „Nat.-Zeitung" vom 5. Februar 1879 No. 30; ein weiteres Schreiben Bis-marck's an Mosle ä. ä. 15. April 1875 (Dank für die freundlichen Glückwünsche der HansestadtBremen zum Geburtstag) abgedruckt iu meinen „Bismarck-Briefen", Neue Folge Bd. III,S. 147. Am 12. Februar 1876 erging an den Reichstagsabgeordueteu Mosle in Berlin nach-stehendes Schreiben:

Berlin, den 12. Februar 1876.

Ew. Hochwohlgeboren erwidere ich auf das gefällige Schreiben vom 9. d. Mts. unterRücksendung der Anlage ergebenst, daß ich nach dem Zustande meiner Gesundheit und derLage der Geschäfte gegenwärtig nicht im stände bin, Herrn Kapitän Brickenstein persönlich zu