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2 (1895) 1847 - 1879
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1879

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in welcher Herr von Helldorff die Leitung übernahm. Bald nach Schluß desReichstags wurde Seydewitz zum Oberpräsidenten von Schlesien ernannt; erlehnte jetzt ab, in der neuen Session sich als Kandidaten für das Präsidium desReichstags aufstellen zu lassen, und trat dafür wieder in den Vorstand derdeutsch-konservativen Fraktion ein.

Es giebt keine Periode während der ganzen Ministerthäligkeit Bismarck's,da derselbe so viel und so eingehend mit Abgeordneten verkehrt hat, als währendder Schlußberatung der Tarifreform. Die widerstrebenden Abgeordneten schließ-lich doch zu dem Punkte geführt zu haben, der ihm genehm bezw. annehmbarerschien, war einer seiner größten parlamentarischen Erfolge.

Den Verkehr zwischen dem Kanzler und den Nationalliberalen ver-mittelte Bennigsen. Der Standpunkt des letzteren war dornenreich; zum ersten-mal verweigerten ihm seine bisherigen Getreuen den Gehorsam; es gab wohlnoch eine nationalliberale Partei, aber die bekannten „zwei Seelen", die in ihrschon bisher gelebt, hatten sich vervielfältigt; jetzt gab es drei ganz ausgesprocheneRichtungen: 1. die enragierten Freihändler Laster, Bamberger, Forckenbeck, Braun-Wiesbaden, Rickert und Stauffenberg, 2. die Schutzzöllner (rechter Flügel), welche sichvon norddeutschen Doktrinären nicht länger mehr ins Schlepptau nehmen lassenwollten, endlich 3. eine vermittelnde Richtung, Bennigsen an der Spitze, welche sichauf das Diplomatisieren verlegte, welche Bismarck zwar Konzessionen machen zumüssen glaubte, es aber gleichzeitig mit den Radikalen in der Partei, den bis-herigen sogenannten Koryphäen doch nicht ganz verderben wollte. Daß beidieser Sachlage Bennigsen, der sich zwischen zwei Stühle gesetzt hatte, dem Kanzlerkeine nachhaltige Unterstützung gewähren könnet, war Bismarck gleich zuAnfang klar.

Wir haben oben S. 190 von dem Verhältnis Bismarck's zu dem Ab-geordneten vr. Beseler gesprochen und schon erwähnt, daß das gute Verhältnis,welches sich 1874 auzubahnen schien, später infolge der neuen Zollpolitik desKanzlers eine Trübung erfahren hat. Beseler war, ohne einen irgendwie radi-kalen Standpunkt einzunehmen, im allgemeinen überzeugter Freihändler. Dochwar weniger diese Lehrmeinung der Grund für sein Auftreten gegen die neue

>) Am 29. April 1879 Konferenz zwischen Bismarck und Bennigsen, „Vossische Zeitung"No. 122 vom 1. Mai 1879. — 16. Mai 1879 wiederholte Konferenz derselben im Sprechzimmerdes Reichskanzlers, „Vossische Zeitung" No. 138 vom 17. Mai 1879. In Reichstagskreisen wollteman wissen, daß die Konferenz den Zweck hatte, Bennigsen's Einfluß dafür aufzubieten, eineMehrheit für den Antrag auf Erhöhung des Kornzolls auf 50 Pf. znsammenzubringen, nach-dem fast alle Agrarier für die Bundesratsvorlagen, den Eisenzoll betreffend, gestimmt hatten.Scheitern der Vorschläge Bennigsen's in der Tarif-Kommission, „Post" 1879, Nr. 178 und 181;der Reichskanzler hat die Opposition von Bennigsen's nicht zu fürchten, „Post" 1879, Nr. 189;beabsichtigter Rücktritt desselben von der parlamentarischen Thätigkeit, „Post" 1879, Nr. 205,206, 207 und Schultheß Geschichtskalender 1879, S. 216; Wiederaunahme eines Mandats, a. a. O.S-256.; Banketrede vom 10. Dezember 1879, Verhältnis Bismarck's zu der nationalliberalenPartei, a. a. O. S. 259.